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Notenbanker mit Kommunikationsschwächen

25. Januar 2007

Gemeinhin sind Zentralbanken heutzutage bemüht, gut mit den Märkten zu kommunizieren, um große Turbulenzen an den Finanzmärkten zu vermeiden. Aber nicht immer gelingt das – wie sich jetzt mal wieder bei der Bank of Japan und der Bank of England gezeigt hat. 

Mit einigen Tagen Abstand zeigte sich Toshihiko Fukui, Präsident der Bank of Japan, für einen Notenbanker fast schon reumütig. „Diesmal könnte die Kommunikation mit dem Markt nicht ganz so reibungslos funktioniert haben“, sagte er in einem Interview. Gemeint war die jüngste Entscheidung, den Leitzins bei 0,25 Prozent zu lassen. 

Tatsächlich hatte die Bank of Japan bis zwei Tage vor der Entscheidung am vergangenen Donnerstag in Reden und Hintergrundgesprächen den Eindruck erweckt, als wolle sie den Markt auf die lang erwartete zweite Zinserhöhung nach dem Ende der Nullzinspolitik im Juli 2006 vorbereiten. Dann aber häuften sich Medienberichte, sie werde nicht erhöhen – was dann auch stimmte. Fukui begründete die Entscheidung letztlich mit der großen Unsicherheit der Währungshüter vor allem über den Konsum. Das aber hätte die Notenbank wohl ohne Zweifel schon früher deutlicher erkennen lassen können – bevor sich fast alle auf eine Zinserhöhung einschossen. Deren Ausbleiben ließ den Yen in der Konsequenz noch mal mächtig abstürzen – und Beobachter ratlos zurück, in welche Richtung die Notenbank künftig zu marschieren gedenkt, von welcher Entwicklung sie überhaupt ihren Kurs künftig abhängig macht.

Schlimmer aber noch war der Eindruck, die Bank of Japan sei angesichts des massiven Drucks der Politik im Vorfeld der Sitzung eingeknickt. Zwar wird Fukui nicht müde, dies zurückzuweisen – aber die entstandenen Zweifel an Glaubwürdigkeit und Reputation wieder auszumerzen wird äußerst schwer. 

Genau in die andere Richtung hat die Bank of England die Märkte überrascht. Die Leitzinserhöhung auf 5,25 Prozent vor zwei Wochen hatte so früh kaum jemand erwartet. Als dann kurz darauf bekannt wurde, dass sich die Inflation im Dezember massiv auf 3,0 Prozent beschleunigt hatte, überboten sich die Beobachter fast mit ihren Prognosen: Bereits im Februar könne die nächste Erhöhung folgen, weil sich das Inflationsbild der Notenbank deutlich geändert haben müsse, auch 5,75 Prozent seien nun wohl wahrscheinlich. Am späten Dienstagabend nun ruderte erst Notenbankchef Mervyn King zurück. Die Bank of England erwarte weiter, dass die Inflation in der zweiten Jahreshälfte zurückgehe – „möglicherweise ziemlich scharf“. Am gestrigen Mittwoch dann zeigte das Protokoll der Januar-Sitzung, dass die Notenbanker die Inflationsgefahr zwar als gestiegen ansehen, aber an ihrem Grundszenario eines Rückgangs festhalten.  

Jene vier, die gegen die knappe Mehrheit von fünf Notenbankern stimmten, ließen zudem die Sorge erkennen, eine übereilte Erhöhung könne falsche Zinserwartungen am Markt wecken. Genau das aber war letztlich passiert. In der Folge stutzten nun die Beobachter ihre Zinserwartungen und bescherten dem Pfund und britischen Anleihen massive Verluste. Und auch hier ist die Unsicherheit nun groß, wie es weiter gehen wird. Einige unken bereits, welche Überraschung die Bank of England wohl als nächstes plant. Aber ähnlich wie Fukui scheint auch King mit dem Erreichten alles andere als glücklich zu sein, wie er jetzt andeutet: „Ich habe meinen Ehrgeiz, langweilig zu sein, nicht aufgegeben.“

Von Mark Schrörs

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