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Nachlaufende Prognosen aus Brüssel

16. Februar 2007

Die EU-Kommission scheint entschlossen, mit ihren Prognosen zu einem prima Spätindikator für Konjunkturtrends zu werden.

Fast beiläufig meldete die Brüsseler Institution gerade, dass sie ihre Wachstumsprognose nochmal aktualisiert hat – und für Deutschland 2007 jetzt plötzlich doch 1,8 Prozent Zuwachs erwartet. Vor gut zwei Monaten behaupteten die EU-Leute noch, es könnten bestenfalls 1,2 werden. Was immerhin eine Aufwärtskorrektur von 50 Prozent innerhalb von wenigen Wochen ausmacht. Super Prognose.

Das wäre übrigens nicht weiter nennenswert, wenn es zum einen das erste Mal wäre. In Wirklichkeit lag die Kommission aber schon 2006 katastrophal daneben. Und wenn zum zweiten die Richtung wenigstens einmal wechseln würde. Auch die neue Deutschland-Prognose dürfte sich in wenigen Wochen wieder als viel zu pessimistisch erweisen: nach jüngsten Schätzungen ist das Bruttoinlandsprodukt Ende 2006 schon so hoch gewesen, dass das Wachstum 2007 rechnerisch bei 1,3 Prozent läge, selbst wenn die Wirtschaft von jetzt an nicht mehr weiter zulegt. Bankenökonomen haben ihre Prognosen in den vergangenen Tagen bereits reihenweise auf deutlich mehr als zwei Prozent nach oben revidiert.

Es hat etwas ziemlich Absurdes, dass gerade jene Institution so systematisch und meilenweit daneben liegt, die von den Regierungen seit Jahren absurde Punkt- und Kommatreue bei ihren angestrebten Haushalts- und Stabilitätsprogrammen einfordert. So was lässt sich eben – anders als es der verunglückte Stabi-Pakt suggeriert – einfach nicht so punktgenau prognostizieren. Nicht mal, wenn man bessere Prognosen macht als die EU-Kommission. Was übrigens auch gegen deutsche Juristen-Regelungswut in Sachen Verbot oder Gesetzesregeln zur Begrenzung von Schulden angeht. Das funktioniert nicht.

Vielleicht sollten die Brüsseler Ökonomen ihr tristes Deutschland-Bild einfach mal grundsätzlich überprüfen.

 

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