Ben vs. Alan

7. März 2007

Alan Greenspan fahre dem amtierenden Fed-Chef Bernanke mit seinen Rezessions-Warnungen in die Parade, so heißt es. Einige fürchten schon um Bernankes Autorität. Dabei ist das alles gar nicht so schlimm.

Als Alan Greenspan, der fast 20 Jahre an der Spitze der US-Notenbank Fed gestanden hatte und zuletzt als „Magier der Märkte“  verehrt wurde, Anfang vergangener Woche darüber spekulierte, dass dieses Jahr eine Rezession in den USA „möglich“ sei, war das ein starker Treiber für den Kurssturz an den weltweiten Finanzmärkten. 

Später relativierte Greenspan zwar seine Aussagen: Er habe eine Rezession als „möglich“, nicht als „wahrscheinlich“ bezeichnet. Nun aber hat er noch mal nachgelegt: Er sehe eine „Wahrscheinlichkeit von einem Drittel“ für eine Rezession gegen Jahresende.

Auf den ersten Blick widerspricht er damit tatsächlich seinem Nachfolger. Bernanke und dessen Kollegen von der Fed nähren an den Märkten die Hoffnung auf eine „sanfte Landung“ der US-Wirtschaft . Speziell Bernankes Anhörung vor dem US-Senat Mitte Februar hatte die Beobachter sehr optimistisch zurückgelassen. Er habe die „für einen Notenbanker beste aller Welten“ skizziert, urteilten Beobachter: Robustes Wachstum bei rückläufiger Inflation.

Fraglich ist trotzdem, ob Bernankes Autorität an den Märkten darunter wirklich leiden wird.

Erstens liegen Bernanke und Greenspan wohl gar nicht so weit auseinander, wie es auf den ersten Blick erscheint: Beide halten offensichtlich eine „sanfte Landung“ für das mit Abstand wahrscheinlichste Szenario. Aber das heißt eben nicht, dass sie nicht über andere Szenarien nachdenken. Greenspan ist sicher etwas deutlicher, wenn er das Wort „Rezession“ in den Mund nimmt – aber das kann er auch, da er eben nicht mehr Fed-Chef ist. 

Aber auch Bernanke hat wiederholt darauf hingewiesen, dass es große Risiken für die US-Wirtschaft gibt – namentlich die Korrekturen am US-Häusermarkt, die doch noch deutlich größere negative Folgen haben könnten, als es sich bislang bzw. derzeit abzeichnet. Tatsächlich lässt sich eine Rezession nie ganz ausschließen, zumal nach einem so langen Aufschwung. Dass die Märkte Bernanke so auf den Goldlöckchen-Teil seiner Konjunktureinschätzung reduzierten, kann man ihm kaum anlasten.

Zweitens ist die Sorge wohl unbegründet, dass die Märkte auf Bernankes Vorgänger mehr hören könnten als auf ihn. Nach seinem sicher holprigen Start hat sich Bernanke viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit erarbeitet – nicht zuletzt, weil er den Aufgeregtheiten in Sachen Wachstum in die eine wie die andere Richtung stets widerstanden hat. So schnell erleidet er da jetzt keinen Imageschaden.

Zudem wissen die Märkte, dass nun eben Bernanke und nicht mehr Greenspan der mächtigste Notenbanker der Welt ist – und dass letztlich seine Einschätzung und die seiner Kollegen über den weiteren Zinskurs in den USA entscheiden.

Letztlich kommt es Bernanke & Co. vielleicht sogar ganz gelegen, dass Greenspans Kommentare dazu beigetragen haben, den Märkten einen gesunden Dämpfer zu verpassen. Wie andere Notenbanker weltweit hat auch Bernanke in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder erklärt, die Marktteilnehmer hätten sich angesichts des starken Weltwirtschaftswachstums dazu verleiten lassen, bestehende Risiken zu unterschätzen. 

Von Mark Schrörs

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