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Ostersuche nach den Ursachen eines Aufschwungs (1)

5. April 2007

Kaum einer hat den Aufschwung vorhergesagt, aber alle wissen jetzt, warum es gar nicht anders kommen konnte. Grund genug für einen Ostercheck der wackeligsten Aufschwungbegründungen und deren Konsequenzen. Teil 1: die gute Weltkonjunktur.

Das Argument ist zwar etwas aus der Mode gekommen, aber nicht ganz:

“Es ist vor allem die gute Weltkonjunktur, die Ursprung dieses Aufschwungs ist” (Klaus Zimmermann, Präsident des DIW, in einem Interview am 23.3. in Le Monde)

Das Argument klingt prima. In der Tat ist die Weltwirtschaft letztes Jahr um 5 Prozent gewachsen und die deutschen Exporte von Waren und Diensten wieder mal mit zweistelligen Raten. Das Ding ist nur, dass das auch in den Jahren davor schon so war, das Weltwachstum liegt ja seit 2003 bereits bei vier bis fünf Prozent, und der Welthandel expandiert mit fast 11 Prozent 2004 sogar deutlich stärker als 2006 - ohne dass es deswegen in Deutschland damals einen Aufschwung gab. Im Gegenteil: Selten hat es gleichzeitig eine so dramatische Wachstumsschwäche gegeben.

Sie erinnern sich: Die Tatsache, dass der Aufschwung in Deutschland ausblieb, obwohl es ja die tollste weltweite Konjunktur seit Jahren gab, musste lange sogar als vermeintlicher Beleg dafür herhalten, dass die Deutschen nichts als Strukturprobleme haben und selbst der tollste globale Schub nicht reicht, um in Deutschland überhaupt jemals wieder einen Aufschwung zu bekommen. Welcome, Mr. Sinn.

Natürlich gäbe es ohne die prima Weltkonjunktur keinen so beeindruckenden Aufschwung. Nur scheint das nach allen Gesetzen der Logik nicht die entscheidende Ursache dafür gewesen zu sein, dass Deutschland just im Jahr 2006 seine dramatische Krise beendet hat.

Im Grunde hat das Argument der globalen Konjunktur sogar etwas Absurdes. Immerhin hat der deutsche Aufschwung just in dem Moment an Fahrt gewonnen, als ab Frühjahr 2006 die Dynamik der größten Volkswirtschaft der Welt sogar enorm nachließ – seit Frühjahr 2006 wächst die deutsche Wirtschaft schneller als die US-amerikanische. In diesem Sinne ist der deutsche Aufschwung eher trotz als wegen der Welt- bzw. US-Konjunktur gekommen. Bitte weiter suchen.

Fortsetzung später.

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