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Ursachen des Aufschwungs (3) – Nur die Konjunktur?

10. April 2007

Die deutsche Wirtschaft wächst viel schneller, als es den jahrelangen Jammerdiagnosen zufolge eigentlich sein dürfte. Seitdem sagen die Skeptiker, dass das ja alles “nur die Konjunktur” sei. Wie?

Das Argument ist schon eher kurios. Immerhin wurde uns vor ein, zwei Jahren noch eingebläut, die Deutschen hätten gar kein Konjunkturproblem, weshalb es ohne Radikal-Rundum-Reformen einfach nicht mehr Wachstum geben wird – und es auch nichts bringe, die Konjunktur noch anschieben zu wollen. Der Münchner Chefpessimist Hans-Werner Sinn tönte inmitten der Krise sogar, dass die Wirtschaft – konjunkturell – ja schon boome (was, bitte schön, tut sie dann jetzt?).

Egal. Jetzt ist es laut Sinn und anderen plötzlich “nur die Konjunktur”, die eben alle paar Jahre mal für ein paar Jahre boome. Na, was denn jetzt? Und warum hat uns Sinn das nicht vorher gesagt? Wenn die Konjunktur heute für Wachstumsraten von drei Prozent sorgt, dann hatten wir bei mickrigen weniger als ein Prozent in den Jahren zuvor offenbar doch ein ziemlich großes Problem mit der Konjunktur. Eine Erkenntnis, die ja nicht ganz unwichtig ist. Vielleicht löst eine gute Konjunktur doch mehr an Problemen, als uns das eingeredet worden ist.

Abgesehen davon könnte man auch fragen: Ja, was denn sonst? Selbst die strukturell beste Wirtschaft wächst nicht, wenn die Konjunktur nicht läuft. Und eine wirklich gut laufende Konjunktur kann aller Erfahrung nach auch über Jahre hinweg Wachstum und sinkende Arbeitslosigkeit bringen – ohne dass im anschließenden Abschwung alles wieder verloren geht.

Neuere Studien deuten darauf hin, dass die strikte Unterscheidung zwischen Konjunkturellem und Strukturellem ohnehin viel zu simpel ist. Wenn die Konjunktur – wie in Deutschland – über Jahre nicht läuft, investieren Firmen und Haushalte immer weniger in die Zukunft, was irgendwann auch die strukturell angelegten Kapazitäten einer Wirtschaft zerstört. So wie es jetzt umgekehrt im Aufschwung plötzlich Meldungen gibt, dass die Firmen – siehe da – wieder mehr Geld in Ausbildung stecken. Eine gute Konjunktur stärkt einfach auch dauerhaft das Wachstumspotenzial.

Und spätestens dann kann es dem Arbeitslosen, der einen neuen Job gefunden hat, ziemlich egal sein, was Akademiker dazu sagen.

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