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Wirtschaftswunder gewinnt erstaunliche Freunde

17. April 2007

Allmählich wird’s unheimlich. Nachdem unsere ansonsten so verlässlich Germany-skeptischen britischen Freunde vergangene Woche vom deutschen Wirtschaftswunder schwärmten (jedenfalls “almost”), gewinnt die Sache auch hierzulande bemerkenswerte Freunde.

Die Wirtschaftswoche, jahrelang so eine Art Cheforgan für den gesicherten strukturellen Niedergang Deutschlands, titelt diese Woche mit der erstaunlichen Zeile: “Das neue deutsche Wirtschaftswunder” – nicht mal “almost” oder als Frage, sondern nur noch mit der Frage, “wie stark” das Wunder denn jetzt wird.

Fehlt nur noch, dass jetzt der “Spiegel” nachzieht, der allen unvorhergesehenen Aufschwungsignalen zum Trotz immer noch tapfer den Untergang verspricht – was etwa so klingt wie Erich Honecker beim 40. Geburtstag der DDR, nur mit umgekehrten ökonomischen Vorzeichen: rundherum geht alles den Bach rauf (damals runter), nur die (Meinungs-) Führung redet, als sei nichts passiert. Spätestens wenn das Magazin umkehrt, sollten wir uns wieder Sorgen machen.

Übrigens war das mit dem Titel der vorliegenden Webseite gar nicht so wortlich gemeint (die soll ja auch in schlechteren Zeiten noch laufen), eher im mehrfachen Sinne des Wortes Wunder. Wenn man allerdings den Schwenk verfolgt, den die Wirtschaftsanalyse im Land innerhalb weniger Monate gerade gemacht hat (vom sicheren Untergang zum Wunder), ist es sicher nicht so falsch, zumindest diesbezüglich von einem Wunder zu sprechen.

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