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Expertenumfrage (III) – Schattenrat gegen Steuersenken

2. Mai 2007

Die Experten des WirtschaftsWunder-Schattenrats stufen Steuersenkungen in Deutschland derzeit als am wenigsten dringlich ein. Anders als offenbar der Wirtschaftsminister. Die Wachstumsprognosen liegen im Schnitt für 2007 und 2008 jetzt bei 2,4 Prozent. Die Gefahr einer US-Rezession lässt nach. Hier sind Teil 3 und das Resumée zur neuen Umfrage unter Chefökonomen und Konjunkturchefs.

Nach der April-Umfrage im Schattenrat halten es die meisten Ökonomen für wichtiger, Schulden abzubauen, Abgaben zu senken oder öffentliche Investitionen zu steigern. Keiner der 15 befragten Experten stufte Steuersenkungen als erste finanzpolitische Priorität ein. Rund zwei Drittel gaben dagegen an, dass zusätzliche staatliche Einnahmen derzeit als erstes dazu genutzt werden sollten, Schulden abzubauen. An zweiter Stelle der Prioritätenliste steht für die Konjunkturexperten das Ziel, Abgaben zu senken.

Für nicht einmal die Hälfte der Befragten stehen umgekehrt Steuersenkungen an zweiter Stelle. Sieben der 15 Experten setzen diese sogar explizit an letzte Stelle ihrer eigenen finanzpolitischen Prioritätenliste.

Zu welchem Zweck sollte die Regierung weitere unerwartete Einnahmen prioitär nutzen?
a) Abbau von Schulden 60%
b) Steuersenkungen 0%
c) Senkung von Abgaben 33,3%
d) Erhöhung der Investitionsausgaben 6,7%

Für die deutsche Wirtschaft erwarten die Experten des Schattenrats jetzt spürbar mehr Wachstum als noch vor vier Wochen. Die Prognosen liegen sowohl für 2007, als auch für 2008 nun im Durchschnitt bei 2,4 Prozent. Bei der März-Auswertung waren es noch 2,2 Prozent. Andere Umfragen hatten noch zu Jahresbeginn Werte von deutlich unter 2 Prozent ergeben.

Die optimistischste Prognose macht nach wie vor Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft; er hat seine Prognose für 2007 sogar von 2,8 auf 3 Prozent nach oben korrigiert. Auffallend pessimistisch bleibt auf der anderen Seite Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer, der mit gerade einmal 1,7 Prozent jetzt als einziger im Schattenrat noch unter der Zwei-Prozent-Marke bleibt.

Für 2008 ist die Prognosespanne ähnlich groß: zwischen 1,8 (Angenendt) und 2,8 Prozent (Holger Schmieding von der Bank of America). Neben Schmieding rechnen allerdings nur IWH-Konjunkturchef Udo Ludwig, RWI-Kollege Roland Döhrn und Elga Bartsch von Morgan Stanley derzeit damit, dass das Wachstum 2008 noch einmal höher ausfällt als 2007. Das Gros der Experten ist da verhaltener.

Welches Wirtschaftswachstum erwarten Sie für Deutschland?
(Schnitt*)
2007 2,4%
(Spanne 1,7-3,0%)
2008 2,4%
(Spanne 1,8-2,8%)

Den Hauptbeitrag zu den Prognosekorrekturen für Deutschland dürften die Hinweise darauf gegeben haben, dass die Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn deutlich weniger Spuren hinterlassen hat, als es Skeptiker lange Zeit befürchteten.

Ein weiterer Grund für die revidierten Prognosen könnte in der nachlassenden Angst vor einer Rezession in den USA liegen. Noch Ende März war die Wahrscheinlichkeit einer solchen Krise von den Schattenratsexperten mit durchschnittlich 25 Prozent veranschlagt worden. Jetzt liegt das Risiko immerhin schon nur noch bei 20 Prozent.

Keiner der Experten rechnet noch mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent mit einer US-Rezession. Und lediglich IMK-Institutschef Gustav Horn sowie BHF-Chefvolkswirt Uwe Angenendt sehen die Chancen derzeit 50:50. Neun der 15 Befragten sehen das Risiko sogar bei weniger als 30 Prozent.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit einer US – Rezession 2007?
(Schnitt*)
20%
(Spanne 10-50 %)

Vom 24. bis 27.4. wurden die insgesamt 18 Chefökonomen und Konjunkturchefs des WirtschaftsWunder-Schattenrats zu aktuellen Konjunkturthemen befragt. Geantwortet haben 15 Experten. Dies war die zweite dieser Umfragen, die ab jetzt monatlich im WirtschaftsWunder ausgewertet werden. Sollten Sie Fragen an die Experten haben, schreiben Sie einfach an wunder@ftd.de .

In Teil 1 der vorliegenden April-Auswertung antworteten die Experten auf Fragen zur jüngsten Euro-Entwicklung. In Teil 2 ging es um die Einschätzungen zum längerfristigen deutschen Wachstumspotenzial.

Hier sind die anderen Ergebnisse der Umfrage noch einmal im Überblick:

Wie hoch ist das Risiko eines Dollar – Absturzes auf über 1,50 $ zum Euro?
(Durchschnittliche Erwartung)
15%
(Spanne 5-60 %)
Bei welchem Euro-Kurs zum Dollar wären negative Folgen für den Aufschwung in Deutschland zu erwarten?
(Durchschnittliche Erwartung)
a) bereits jetzt 6,7%
b) ab 1,40 $ 66,7%
c) ab 1,50$ 26,7%

 

Wie hoch schätzen Sie das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft ein?

(Durchschnittliche Angabe*)

1,7%


(Spanne 1,3-3 %)

*Median

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