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Ursachen des Aufschwungs (5) – Herr Professor Sinn war’s!

2. Mai 2007

Seit ein paar Wochen suchen wir an dieser Stelle nach den wahren Ursachen des weitgehend unvorhergesehenen Aufschwungs. Jetzt ist der Auslöser gefunden: Es war Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Auf den entsprechenden Hinweis bin ich – zugegeben – mit etwas Verspätung gestoßen. Schon vor ein paar Wochen hat der ehemalige Absturzstar dem “Focus” verraten: “Im Dezember 2005 habe ich den Aufschwung ausgerufen”. Das ist schon deshalb bemerkenswert, da wir eher gewohnt sind, dass, sagen wir, Regierungschefs Notstände ausrufen, also beschließen. Dass Ökonomen eine gute Wirtschaftsentwicklung beschließen können, ist neu – auch für einen der Päpste der deutschen Ökonomie.

Ein bisschen mutig ist die These ohnehin, zumal der Ifo-Chef noch nach der Vorstellung des Koalitionsvertrags im November 2005 das Schlimmste für Deutschland prophezeite. In der Ifo-Prognose von Dezember, die er jetzt heranzieht, steht dann zwar etwas von Aufschwung. Nur liest sich das heute eher verhalten: die Perspektiven für 2006 seien “gut” (nicht mehr), das Wirtschaftswachstum werde 1,7 Prozent erreichen und die Lage auf dem Arbeitsmarkt sich “nur zögernd bessern”. Fürs Staatsdefizit rechneten Sinn und Anhang damals noch mit 3,2 Prozent des Wirtschaftsleistung.

In Wirklichkeit ist das Wachstum um wahrscheinlich Dreiviertel höher gewesen, die Arbeitsmarktlage hat sich nicht zögernd, sondern spektakulär verbessert, und das Staatsdefizit ist nur etwa halb so hoch. Super Prognose.

By the way: Heute befindet Sinn im “Handelsblatt”, dass “der rasante Abbau der Arbeitsplätze in der Industrie weiter gehen” werde. Komisch. Die Bundesagentur meldet gerade, dass in der Industrie die  sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um mittlerweile 183 000 höher liegt als noch vor einem Jahr (wobei die ganzen Zeitarbeiter gar nicht mitgezählt sind). Allein im verarbeitenden Gewerbe ist das ein Plus von 1,1 Prozent. Merkwürdige Definition von “rasantem Abbau”.

PS zum neuen Arbeitsmarktbericht: Alles in allem liegt die deutsche Arbeitslosigkeit saisonbereinigt jetzt nur noch 70 000 unter dem Wert, den sie zu besten Zeiten des Aufschwungs 2001 erreichte. Von wegen Sockelarbeitslosigkeit.

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