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David Ricardo – Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung

8. Oktober 2007

David RicardoAdam Smith sah in seinem Hauptwerk Der Wohlstand der Nationen das wirtschaftliche Wachstumspotenzial als unbegrenzt an. David Ricardo begegnete dieser Haltung skeptisch. Unendliches Wachstum? Nein, Ricardo sah vielmehr das Menetekel des wirtschaftlichen Stillstands an der Wand.

Was er mit seiner Abhandlung Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung vorlegte, ist ein Handbuch der Allokation, der Verteilung von Gütern. Seine Theorie: Weder Kapitalgeber noch Lohnarbeiter profitieren am meisten vom gesellschaftlichen Wohlstand – stattdessen können sich vor allem die Eigner von Grund und Boden saftige Profite in die Tasche stecken.

Auf den Gebieten der Geldtheorie, Steuerpolitik und Werttheorie brachte Ricardo neue Impulse in die Volkswirtschaftslehre ein. Berühmt geworden ist vor allem seine Theorie der komparativen Kostenvorteile, die er anschaulich an den beiden Tuch- und Weinproduzenten England und Portugal demonstriert – allerdings unter der Prämisse von recht unwahrscheinlichen Rahmenbedingungen.

Ricardos Arbeitswertlehre (der Wert eines Gutes bestimmt sich aus der in ihm eingeschlossenen Arbeit) wurde später von Karl Marx aufgegriffen. Die Wirkung von Ricardos Hauptwerk war durchschlagend: Es gehört zu den "Klassikern der Klassiker" der Nationalökonomie.

Über den Autor

David Ricardo wird am 18. April 1772 als drittes von 17 Kindern seiner strenggläubigen jüdischen Eltern in London geboren. Davids Vater ist ein erfolgreicher Börsenmakler, und sein Sohn wird in seine Fußstapfen treten. Schon ab seinem 14. Lebensjahr arbeitet er im Geschäft des Vaters mit. Dann jedoch kommt es zum Bruch mit der Familie: Der Junge verliebt sich in ein christliches Mädchen.

Da er mit der Heirat das jüdische Gesetz verletzt, wird er im Alter von 21 Jahren aus der Familie ausgestoßen. Durch sein Geschick als Börsenmakler gelingt es ihm, innerhalb kürzester Zeit ein beträchtliches Vermögen anzuhäufen. Doch das Börsenparkett reicht Ricardo auf Dauer nicht aus: Er interessiert sich für Mathematik und die Naturwissenschaften.

Eher zufällig gerät er an die Ökonomie. Während eines Kuraufenthaltes seiner Frau liest Ricardo Adam Smiths The Wealth of Nations (Der Wohlstand der Nationen) und ist Feuer und Flamme für dessen Themen. Als im Jahr 1797 – infolge des Krieges gegen Napoleon – der Goldstandard in England fällt und die Preise ansteigen, wendet sich Ricardo erstmals in einem anonymen Zeitungsartikel an die Öffentlichkeit: Er verurteilt den allzu freien Umgang der Regierung mit der Notenpresse.

Ricardo lernt die wichtigsten Ökonomen seiner Zeit kennen: In James Mill findet er einen väterlichen Freund und in Thomas Robert Malthus einen Menschen, mit dem er sich privat ausgezeichnet versteht, auch wenn sie auf fachlichem Gebiet zumeist gegnerische Positionen vertreten.

Mill wird die treibende Kraft für Ricardos Publikationen: Er motiviert ihn sowohl zum Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock (Essay über den Einfluss eines niedrigen Getreidepreises auf den Kapitalprofit, 1815) als auch zu seinem Hauptwerk On the Principles of Political Economy and Taxation (Über die Grundsätze der Politischen Ökonomie und der Besteuerung, 1817).

Den Beschreibungen seiner Zeitgenossen zufolge ist Ricardo ein freundlicher, nie rechthaberischer, überlegter und etwas zurückhaltender Mensch, der während der letzten Jahre seines Lebens als radikaler Reformer im britischen Unterhaus sitzt. Er stirbt am 11. September 1823 in Gatcombe Park.

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