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AusSicht des Kapitals – Das ist doch mal ein Wirtschaftsprogramm

18. Dezember 2007

Die USA wehren sich mit Händen und Füßen gegen die drohende Rezession – und greifen jetzt schon zu eher unkonventionellen Mitteln.

Die Amerikaner machen das, was sie am besten können: aus allen Rohren feuern. Die Fed hat ihren Leitsatz binnen drei Monaten um einen Prozentpunkt auf 4,25 Prozent gesenkt, während die Importinflation von 1,9 auf 11,4 Prozent, der jährliche Produzentenpreisanstieg von 2,2 auf 7,2 Prozent und die Verbraucherpreiszunahme von 2 auf 4,3 Prozent gestiegen sind. Das Finanzministerium arrangiert Superfonds und „freiwillige“ kollektive Zinsverzichte auf Ramschhypotheken. Eine eigentlich nur auf dem Papier existierende Bankengruppe im Dunstkreis des Staates, die während der Großen Depression gegründet wurde, vergibt im dritten Quartal plötzlich Kredite von annualisiert 746 Mrd. $, die vor allem mit Hypotheken besichert sind und den vordergründig erstaunlichen Anstieg des Verbraucherhypothekenvolumens um 691 Mrd. $ im stürmischen Spätsommer erklären dürften. Doch die Finanzmärkte wollen mehr, wie die enttäuschte Reaktion auf den Zinsschritt von nur 25 Basispunkten am Dienstag gezeigt hat. Und die USA wären nicht die USA, wenn sie den Börsen nicht geben würden, was ihnen gebührt. Daher die Liquiditätsspritze vom Mittwoch, wobei die Fed ihre unglaublich wertvollen Dollar auch in Europa feilbietet (klugerweise anonym) und dafür praktisch jede Sicherheit akzeptiert.

Das ist doch mal ein Wirtschaftsprogramm eines Landes, in dem selbst Liberale als Linksradikale verunglimpft werden: Ganze Märkte und deren Verluste werden sozialisiert, wobei die Folgen durch eine anhaltende monetäre Überschwemmung der gesamten Wirtschaft abgefedert werden sollen. Hauptsache, die USA leben schön weiter über ihre Verhältnisse, indem sie je Arbeitstag fast 3 Mrd. $ mehr Güter und Dienste verbrauchen als produzieren. Entscheidend ist deshalb, die Schuldenmaschinerie am Laufen zu halten. Da Staat, Verbraucher, Firmen und Finanzsektor inzwischen Schulden in Höhe des 3,74-fachen Nationaleinkommens angehäuft haben, wird das aber gar nicht mehr so einfach sein, weil die Bonität der willigen Kreditantragsteller ohnehin vielfach zweifelhaft sein dürfte. Im Grunde geht es also darum, die Kreditvergabestandards, die nun verwünscht werden und uns den ganzen Ärger eingebrockt haben, schleunigst wieder auf ihr altes, lausiges Niveau zu senken, da ansonsten eine Rezession fast unvermeidlich ist, womit die Kreditausfälle erst recht explodieren würden und die USA auf den Pfad Japans zusteuern könnten. An sich dürften die Privatbanken nach den jüngsten Debakeln dafür nicht mehr zu gewinnen sein, doch mithilfe von Staatsbanken könnte es vielleicht sogar funktionieren. Bloß würden die Schulden damit ja nur noch wachsen, womit das Problem noch größer werden würde. Konsequenterweise sollten die USA ihre Schulden also lieber heute als morgen weginflationieren. Schließlich weiß ihr Zentralbankchef, wie das geht. Hingegen haben die Aktienanleger keinen blassen Schimmer, was ihnen blüht, auch wenn der Anleihen-Aktien-Vergleich vorerst noch den Himmel auf Erden verheißt.

 

Von Jörg Berens

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