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[Nobelpreisträgertreffen Lindau] Von der Subprimekrise zu den Subsubsubprimekrediten

21. August 2008

Die Konferenz der Nobelpreisträger hat heute Morgen mit einer unterhaltsamen Podiumsdiskussion über die systemischen Risiken auf den Finanzmärkten begonnen. Besonders die Beiträge von Joseph Siglitz und Myron Scholes stachen dabei heraus. Muhammad Yunus erntete langen Beifall für seinen Eröffnungsvortrag.

Schlechte Anreize, schlechtes Management, schlechte Modelle haben zur Finanzkrise geführt – darin waren sich die beiden Wirtschaftswissenschaftler einig. Aber in der Lösung gingen ihre Meinungen auseinander.

Mehr Regulierung, sagte Stiglitz. Mehr Markt, sagte Scholes. Ein Regulierungsschub könne am Ende die Kosten der Finanzkrise noch erhöhen, denn niemand könne die Konsequenzen dieser Eingriffe überblicken und einschätzen. Als Beispiel führt er etwa die Bilanzskandale um den Enronkonzern an.

“Wir dürfen die Hedgefonds nicht auf Kosten der Steuerzahler spielen lassen“, hielt Stiglitz dagegen, „sie sollten unter sich spielen.“ Die Finanzkrise würde das Wirtschaftswachstum der USA noch drei Jahre lang reduzieren. „Die Hedgefonds spielen doch nicht miteinander“, entgegnete Scholes, „sondern ermöglichen, dass die Märkte effizienter funktionieren.“

Dann fragte eine junge Wissenschaftlerin aus Australien: „Gehen zu viele Talente in den Finanzsektor statt die Industrie durch Forschung und Entwicklung voranzubringen?“ „Ich halte mich für einen der intelligentesten Menschen und beschäftige mich mit Finanzen, antwortete Scholes grinsend. Darauf Stiglitz: „Ja, wir haben eine Misallokation der Talente. Die Regierung muss Grundlagenforschung stärker unterstützen.“

Von den Millionen und Milliarden Dollar der Finanzkrise kam Muhammad Yunus dann zu den Pennies. In einem beeindruckenden Vortrag legte er seine Idee der Mikrokredite da. Die von ihm in Bangladesh gegründete Grameen Bank würde Subsubsubsubprime-Kredite vergeben. An arme Frauen aus dem Dorf, statt an reiche Männer aus der Stadt.

„Denn alle Menschen sind Unternehmer, nur einige haben nicht die Chance, das zu entdecken“, sagte Friedensnobelpreisträger Yunus. Armut entstehe, weil den Menschen keine Möglichkeiten zu ihrer Entfaltung geboten würden. Er machte nicht in Bangladesh Halt, denn auch in den USA lebten Millionen Menschen, die kein eigenes Bankkonto eröffnen dürften.

Die Vorträge lassen sich live im Internet verfolgen.

Charlotte Bartels und André Kühnlenz

Von Charlotte Bartels

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