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[Nobelpreisträgertreffen Lindau] Von Stars und Fans

22. August 2008

Prof. Dr. Sir Clive W. J. Granger steht etwas verloren auf der großen Bühne, allein im Scheinwerferlicht. Der 74-jährige Nobelspreisträger ist wohl jedem VWL-Studenten aus dem Fach Ökonometrie bekannt: Er hat die nach ihm benannte Granger-Kausalität gefunden. Und doch steht er nun etwas gebückt da oben und die Studenten im Publikum schenken ihm keine Beachtung. Vielleicht fehlt die Vorband, die auf Konzerten die Spannung auf den eigentlich Star steigert. Doch nach dem Vortrag sieht alles ganz anders aus.

10.40 Uhr ist schon durch, da kommen immer noch Besucher hinein, redend und lachend und bemerken gar nicht, dass der große Sir Granger schon seinen Vortrag begonnen hat. Denn seine Stimme ist leise und ziemlich hoch. Keine Powerpointpräsentation leuchtet im Hintergrund. Nachdem er schon ungefähr eine Minute von globalen Modellen und den Effekten des Welthandels gesprochen hat, wird es dann langsam ruhig.

Nach der Vorlesung sieht es für Sir Granger anders aus. Kaum steigt er vom Podium herunter, umringen ihn rund zwanzig Studenten und junge Wissenschaftler. Sie haben viele Fragen auf der Zunge, aber vor allem Konferenzbücher und Fotokameras in den Händen. Jetzt ist Sir Granger ihr Star. Auf die Seite im Konferenzbuch, wo sein wissenschaftliches Schaffen beschrieben ist, muss er sein Autogramm schreiben. Mehrere Studenten lassen sich mit ihm fotografieren. Fast alle sehen asiatisch aus.

Als ich eine junge, attraktive Chinesin anspreche, die gerade zwischen Nobelpreisträger Phelps und seiner Frau posiert hat und nun weiter zu Sir Granger geht, verteidigt sie sich so fort. Ja, die deutschen Studenten hätten gesagt, dass die Teilnahme an der Lindauer Konferenz doch schon genug Ehre sei. Sie würde sowieso nur Fotos mit den Laureaten machen, mit denen sie wissenschaftlich zu tun habe. Das sind immerhin Stiglitz, Mundell, Phelps und Granger. Da ist ihr aber ein Highlight entgangen: die Nachwuchswissenschaftler, die sich mit Nobelpreisträger Kydland ablichten ließen, können zu hause von ihrem neuen Kumpel Kydland erzählen. Arm in Arm posiert er nach seinem Vortrag mit sämtlichen jungen Fans.

Von Charlotte Bartels

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