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Plöner Highlights – Von der Ökonomie des eigenen Schmerzes

7. September 2008

Einen bewegenden Ausflug in die Welt menschlichen Verhaltens startete bei der Book session Daniel Ariely von der Duke University. Er sei vor Jahren in Israel bei einer Explosion schwer verletzt worden. Dadurch seien siebzig Prozent seiner Haut verbrannt gewesen, erzählte der Professor für Behavorial Economics vor Dutzenden rasch erstummten Zuhörern im überfüllten Weißen Saal des Plöner Schlosses.

 

Er habe anschließend drei Jahre in einem Krankenhaus gelegen und dabei den größten Teil der Zeit damit verbracht, sich darüber Gedanken zu machen, auf welche Art man jene Dutzenden Verbände mit möglichst wenig Schmerzen abbekomme, die er täglich anlegen und abnehmen musste. Entweder schnell und heftig. Oder ganz langsam. Die Krankenschwestern hätten ihm damals die erste Variante stets nahegelegt – und ihm dabei rasch zu verstehen gegeben, dass ein Patient nicht dazu da sei, so etwas zu hinterfragen.

Die Frage habe ihn so sehr beschäftigt, dass er ihr anschließend in wissenschaftlichen Tests nachging, so Dan weiter. Ergebnis: die Schwestern haben ihm drei Jahre lang das Falsche geraten. Es hinterlasse bei einem Patienten ein weit weniger schlimmes Gefühl,  wenn der Verband langsam abgezogen werde. Nur für die Schwestern sei es angenehmer, wie sich herausstellte, den Verband schnell abzuziehen – weil der Patient dann nur einmal kurz aufschreie, und nicht so lange.

Die Geschichte ist Teil von Dans Buch, das an diesem Montag in Deutsch erscheint – und eine Menge Erkenntnisse neuerer ökonomischer Forschungen aus der Rubrik der “Behavorial Economics” enthält: unter dem viel versprechenden Titel “Denken hilft zwar, nützt aber nichts“.

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