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Plöner Highlights – Ohne Schubladen

8. September 2008

Das Schöne an international besetzten Ökonomen-Veranstaltungen ist, dass dort in aller Regel weit weniger verbohrtes Schubladendenken praktiziert wird als in üblichen deutschen Debatten zur Wirtschaftspolitik. Das war auch so bei dem ehrenwert besetzten Podium, das ich am Freitag moderieren durfte. Bescheidenes Thema: Creating Employment.

Auf dem Podium saßen OECD-Chefökonom Jorgen Elmeskov, Nobelpreisträger George Akerlof, Telekom-Chef Rene Obermann und der renommierte schwedische Ökonom und Arbeitsmarktexperte Assar Lindbeck. Solche Leute hat man nicht jeden Tag neben sich sitzen, auf jeden Fall nicht in dieser Zusammensetzung. Wobei dann wiederum schade ist, dass man als Moderator so sehr mit dem Moderieren beschäftigt ist, dass man gar nicht merkt, wie wichtig alles um einen herum ist.

Es ging unter anderem darum, wie sich Anreize verbessern lassen, um die Erwerbsquoten von Älteren und Frauen zu erhöhen – wenn sie denn wollen. Assar Lindbeck riet, viel stärker dafür zu sorgen, dass sich zusätzliche Arbeitsjahre auch in hinreichend höheren Rentenansprüchen niederschlagen. Dann verschwinde auch das Problem, dass es in vielen Ländern zu wenig finanzielle Anreize für längeres Arbeiten gebe. Der Telekom-Boss fand das auch und sprach sich für einen flexibilisierten Eintritt in die Rente aus.

Für deutsche Verhältnisse eher ungewohnt klang auch, was die Experten austauschten, als es ums Konjunkturelle ging. Assar Lindbecks Rat: in schlechteren Zeiten wie jetzt sollten Regierungen mit traditionellen Konjunkturprogrammen dafür sorgen, Rezessionen zu vermeiden; Angebotspolitik sei dagegen in besseren Zeiten zu empfehlen. Deutsche Standardökonomen empfehlen bekanntlich in Sachen Angebotspolitik eher das Gegenteil – und in Sachen Konjunkturpolitik gar nichts. Weil es angeblich besser ist, im Abschwung Reformen durchzupauken; und es vermeintlich prima ist, wenn möglichst viel Leidensdruck da ist.

Erfrischend undogmatisch klang auch der Beitrag von George Akerlof, der an sich eher dem Keynesianismus zuneigt. Zur Frage, ob Wirtschaftspolitiker eine Wahl zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit haben, sagte der Nobelpreisträger: “Wir haben früher sicher unterschätzt, dass eine expansive Geldpolitik dadurch konterkariert werden kann, dass eine höhere Inflation die Wachstumsgewinne wieder zunichte macht”, so Akerlofs Selbstkritik.

Andererseits lasse sich heute zeigen, dass die – zwischenzeitlich dominierende – Auffassung ebenfalls übertrieben sei, wonach eine expansive Geldpolitik überhaupt keinen längerfristig positiven Einfluss auf die Realwirtschaft habe. Der Grund, so Akerlof: Untersuchungen zeigten, dass die expansivere Geldpolitik nicht Eins-zu-Eins zu höheren Löhnen und Preisen führe – sondern nur zu einem Teil. Damit könnten die Notenbanker sehr wohl einen Beitrag zur besseren Konjunktur leisten. Und das bedeute im Umkehrschluss, dass es schlecht sein könne, wenn eine Notenbank eine zu niedrige Inflation anstrebe.

Zitat Akerlof: “Central banks should be careful not to set their inflation targets too low”. Nachfrage des Moderators: ob das möglicherweise für die Europäische Zentralbank gelte (die bekanntlich eines der weltweit ehrgeizigsten Ziele verfolgt und von undogmatischen Ökonomen wegen ihrer dogmatisch-einseitigen Inflationskampfes gelegentlich kritisiert wird). No comment, sagt der Nobelpreisträger diplomatisch – und verweist später darauf, dass seine Frau ja bei der Fed arbeite. Deshalb halte er sich mit Kommentaren zu den großen Notenbanken zurück.

 

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