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Axel Ockenfels will Rachefeedback bei Ebay bekämpfen

25. September 2008

Der Kölner Professor Axel Ockenfels hat mit seinen Experimenten herausgefunden, wie man Rachefeedback auf Ebay reduzieren kann. Keiner kann mit dem neuen System einen User bestrafen, der einen Verkäufer zum Beispiel nach der wahren Qualität der Lieferung usw. bewertet.

Mit seinen Versuchen hat Ockenfels herausgefunden, wie sich bei der Onlineplattform Ebay ein besseres Bewertungssystem einrichten lässt. Das alte System ermöglichte es, den Käufern und den Verkäufern sich gegenseitig sofort zu bewerten. Es habe eigentlich ganz gut funktioniert, sagte Ockenfels in seinem Vortrag. Gut 70 Prozent aller User gaben nach ihrem Einkauf ein Feedback ab.

Dass Problem dabei: Wer einen Verkäufer negativ bewertet, riskierte selber, negativ bewertet zu werden. Ein typisches Rachefeedback. Im Resultat dürfte es zu viel positives Feedback bei Ebay gegeben haben, sagte Ockenfels. Die wahren Mängel der Verkäufer könnten so verdeckt worden sein.

Dadurch sind in einem hochsensiblen Kern der Auktionsplattform möglicherweise Verzerrungen aufgetreten. Denn das Bewertungssystem ist doch der erste Anhaltpunkt für User, die das erste Mal bei einem Verkäufer etwas erstehen wollen.

Als Lösung würde sich anbieten, die Bewertung ohne das Wissen des Anderen laufen lassen. Für eine gewisse Zeit, vielleicht zwei Wochen nach dem Kauf, hätte jeder Nutzer die Möglichkeit, den Verkäufer zu bewerten, ohne dass der andere es sofort erfährt. Der Verkäufer hätte so auch keine Möglichkeit mehr für eine Rache. Diese Variante würde jedoch die Zahl der Bewertungen drastisch senken, hat Ockenfels herausgefunden.

Eine bessere Möglichkeit sei, so hat sich in den Versuchen herausgestellt, dass man dem herkömmlichen Bewertungssystem ein anonymes hinzufügt. Also dass es weiterhin eine Gesamtbewertung wie bisher gibt, die nach positivem, neutralem und negativem Feedback unterscheidet. Zusätzlich kommen ein paar Detailfragen hinzu, zum Beispiel ob die Qualität des Produkts tatsächlich so war wie in der Beschreibung angegeben. Doch diese Antworten erfährt der andere nicht.

Versuche hätten wiederum ergeben, dass die User in ihren öffentlichen Bewertungen deutlich freundlicher sind, als in den anonymen, in denen sie eher ihre wahre Meinung mitteilten. Gleichzeitig würde aber die Zahl der Bewertungen nicht zurückgehen.

So demonstrierte Ockenfels, wie experimentelle Ökonomie bei der Ausgestaltung von Märkten im alltäglichen Leben einen praktischen Beitrag leisten kann.

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