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Armin Falk holt Umfragen ins Labor

26. September 2008

Würden Sie lieber 100 Euro mit Sicherheit bekommen oder 300 Euro mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent? Welches Risiko sind Sie bereit einzugehen? Der Bonner Ökonom Armin Falk nimmt die Teilnehmer der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik mit ins Labor der experimentierenden Wirtschaftswissenschaftler. Dort hat er untersucht, ob Umfrageergebnisse tatsächlich stichhaltig sind.

Wie risikobereit sind die Deutschen? Die Männer, die Frauen, die Kinder? Sicherlich kann man sich dieser Frage nähern, in dem man eine repräsentative Umfrage unter den Deutschen durchführt. Doch bergen diese Befragungen immer die Gefahr, dass die Teilnehmer ihre eigene Risikobereitschaft nicht richtig einschätzen oder dass sie ganz bewusst falsche Antworten geben. Viele Sozialwissenschaftler oder Ökonomen würden eigentlich solchen Umfragen nur wenig Wert beimessen: Sie ließen keine Rückschlüsse auf das tatsächliches Verhalten der Menschen zu, so die Kritik.

Doch hier kann die experimentelle Ökonomie einen wichtigen Beitrag leisten und im Labor können Wissenschaftler überprüfen, ob die in Umfragen erzielten Ergebnisse auch auf das tatsächliche Verhalten anwenden lassen. Genau das hat das Team von Armin Falk getan. Zunächst nutzten sie Umfrageergebnisse aus den Sozio-Ökonomischen Panel (SOEP). Seit 2004 werden die 22000 Teilnehmer der Langzeitbefragungen nach ihrer eigenen Risikoneigung befragt auf einer Skala von 1 bis 10.

Für die Experimente wurde nun eine ähnlich repräsentative – aber kleinere – Gruppe von 450 Menschen ausgewählt. Die Versuchsteilnehmer konnten dabei wählen zwischen einer Lotterie, in der sie 300 Euro mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit gewinnen können, und einer sicheren Auszahlung. Erst hat er 20 Euro als sichere Auszahlung geboten, dann 40 Euro, dann 60 Euro und am Ende 200 Euro. Das Wichtige dabei, die Teilnehmern haben wirklich Geld bekommen – sie hatten also einen starken Anreiz ihre wahre Risikoneigung zu offenbaren.

Für jeden Teilnehmer konnte so ermittelt werden, ab welcher Summe er oder sie zu einem sicheren Auszahlungsbetrag wechselt. Und genau so wurde die tatsächliche Risikoeinstellung ermittelt. Zuvor wurden die Teilnehmer ähnlich wie in der SOEP-Umfrage befragt, wie sie ihre eigene Risikobereitschaft einschätzen. Im Ergebnis unterschieden sich die persönlichen Einschätzungen mit der aus dem Versuch nur wenig. Die SOEP-Umfrage hat damit offensichtlich recht gute Ergebnisse erbracht.

Die tatsächliche Risikobereitschaft der Deutschen gibt wichtige Aufschlüsse, wenn es um das Gesundheitssystem geht, die Altersvorsorge und vieles mehr. Anhand der breiten Umfrage im SOEP, kann nun in einem zweiten Schritt untersucht werden, was das Risikoverhalten der Deutschen erklärt. Wird es von den Eltern geprägt oder ist es genetisch vorherbestimmt. Wie unterscheiden sich Männer und Frauen, welchen Einfluss hat die Körpergröße oder das Alter.

Falk führt aus, dass nach ähnlichen Versuchen in den USA ermittelt wurde, dass die Amerikaner (also Männer und Frauen zusammen) im Schnitt in etwa so risikobereit sind wie die deutschen Männer. Ein weitere Frage: Was bestimmt die Risikoneigung von Kindern. Werden Kinder geprägt durch die allgemeine Einstellung der Eltern? Oder ist es wichtiger, wie sich Eltern in bestimmten Fragen verhalten. Scheuen sie das Risiko, wenn es um ihre Gesundheit oder wenn es um Aktien und andere Finanzfragen geht.

Das Ergebnis: Die allgemeine Risikoeinstellung der Eltern spielt für die Neigung der Kinder eine geringere Rolle also das Verhalten der Eltern in ganz bestimmten Fragen. Wenn sich ein Ehepaar gerne riskante Aktien ins Depot legt, dürfte das in der Tendenz auch bei den Nachfahren der Fall sein. Auch wenn die Eltern im Allgemeinen eher vorsichtig sind.

Mit Charlotte Bartels

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