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Meine Welt von morgen: Lars-Hendrik Röller

3. August 2009

Was kommt nach der Krise? Die FTD fragt prominente Ökonomen. Heute: Lars-Hendrik Röller. Der Ökonom ist Präsident der European School of Management and Technology (ESMT) und Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik. Zuvor war er Chief Competition Economist der Europäischen Kommission. Lesen Sie hier seinen kompletten Antwortbogen in Originallänge:

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* Welche große Maßnahme würde die Klimakatastrophe am ehesten verhindern?

Die langfristige und nachhaltige Förderung von Umwelttechnologie. Deutschland ist hier führend. Darin liegt eine Chance, die es gilt zu nutzen. Wichtig ist dabei, verlässliche staatliche Rahmenbedingungen zu setzen, sodass die Unternehmen – viele davon KMU – Rechtssicherheit haben.

* Haben die USA als wirtschaftliche Weltmacht ausgedient?

Sicherlich werden andere Länder wirtschaftlich stärker werden, was aber nicht bedeutet, dass die USA absolut gesehen zurückfällt.  Die wirtschaftliche Entwicklung wird kein Nullsummenspiel sein. Allerdings werden internationale Abkommen immer schwieriger zu erreichen sein – wie etwa im Klimabereich oder die Doha-Runde. 

* Wird China 2020 die wirtschaftliche Weltmacht sein? Oder abgestürzt sein wie Japan und andere frühere Weltmachtkandidaten?

Weder noch. China wird seinen Platz finden. Die wirtschaftliche Entwicklung wird sich auch in China „normalisieren“. Wichtige Reformen, die Rechtssicherheit für Investitionen und geistiges Eigentum sicherstellen, stehen noch aus.

* Was ist die radikalste Veränderung, die Sie sich für das Weltwirtschaftssystem wünschen?

Einen Agrarmarkt, der das Wort verdient hat. Vom jetzigen System werden weder die EU-Bauern, noch die Entwicklungsländer nachhaltig profitieren. 

* Wäre es besser, die Finanzmärkte wieder ähnlich stark zu regulieren wie in der Zeit vor 1980?

Es geht in der jetzigen Krise nicht um per se mehr Regulierung, sondern um die richtige und effektive Regulierung. Der Regulierungsrahmen aus den 80er Jahren ist für die heutige Zeit nicht geeignet. Insbesondere sollte jetzt nicht überreagiert werden, indem man innovative Bereiche durch Regulation behindert.

* Welche wirtschaftspolitische Strategie würden Sie dem neuen US-Präsidenten Obama empfehlen?

Insgesamt macht die Obama Administration in der Wirtschaftspolitik viel richtig. Meine größte Sorge ist, dass die USA – als Vertreter offener Märkte – protektionistische Maßnahmen ergreift. Ein Beispiel wäre die so genannte „buy amercian“ Klausel.  Ein internationaler Subventionswettlauf wäre zum jetzigen Zeitpunkt fatal für eine wirtschaftliche Erholung und den Erhalt von Arbeitsplätzen weltweit.  

* Steht der Globalisierung in den nächsten Jahren ein großer Rückschlag bevor?

Nein, einen großen Rückschlag sehe ich nicht. Internationaler Handel und Arbeitsteilung sind Bestandteile unseres Wohlstands. Allerdings wird es zu einer Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums kommen.

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