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… Konjunktur

13. August 2009

Nach einem Jahr Rezession ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal erstmals wieder gewachsen. Mit der Konjunktur geht es anscheinend aufwärts.

Plus 0,3 Prozent. So leicht wuchs die deutsche Wirtschaft zwischen April und Juni im Vergleich zum Vierteljahr davor. Kein großer Sprung. Trotzdem eine Zahl, die viele Wirtschaftsforscher als Hinweis auf ein Ende der Krise werten, auf einen Aufwärtstrend der Konjunktur.

Als Konjunktur bezeichnet man das wirtschaftliche Auf und Ab in einer Ökonomie. Die Schwankungen entstehen, wenn sich Nachfrage und Angebot ändern und die Unternehmen folglich entweder mehr oder weniger Waren herstellen. Der wichtigste Indikator für die gesamtwirtschaftliche Aktivität ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Über Jahre betrachtet lassen sich wiederkehrende Grundmuster erkennen. Wirtschaftsforscher unterteilen die Konjunktur deshalb in vier zyklische Phasen: Abschwung (Rezession), Tiefphase (Depression), Aufschwung (Expansion) und Hochkonjunktur (Boom).

Im Abschwung sinkt die wirtschaftliche Aktivität. Nach gängiger Definition herrscht Rezession, wenn die Wirtschaft eines Landes mindestens zwei Quartale in Folge im Vergleich zu den Vorjahresquartalen stagniert oder schrumpft. In den meisten Ländern war dies zuletzt der Fall. Konsumenten kaufen weniger, die Lager sind überfüllt, die Unternehmen lassen Überstunden abbauen und beginnen mit Kurzarbeit. Sie blicken pessimistisch in die Zukunft und streichen Investitionen. Nicht wettbewerbsfähige Unternehmen verschwinden vom Markt. Verschärft sich der Abschwung über längere Zeit, droht sogar eine Depression: Schrumpfende Wirtschaft, fallende Preise und Börsenkurse, wegbrechende Nachfrage, Massenarbeitslosigkeit.

Dieses Schreckensszenario konnten die massiven Rettungspakete von Regierungen und Notenbanken offenbar verhindern. Stattdessen deuten nun viele Konjunkturindikatoren hierzulande auf einen Aufschwung hin. Die Exporte, Deutschlands wichtigster Wachstumsmotor, legten im Juni so stark zu wie seit drei Jahren nicht mehr. In der Industrie vermelden die Unternehmen deutlich mehr Aufträge, und der für die Branche wichtige BME-Einkaufsmanagerindex ist im Juli so stark wie noch nie gestiegen.

In einer Aufschwungsphase registrieren die Unternehmen steigende Auftragszahlen und fahren ihre Produktion hoch. Die Beschäftigung steigt, die Verbraucher konsumieren mehr, die Preise ziehen an. Manchmal ist sogar eine Boomphase möglich. Darin läuft die Wirtschaft auf Hochtouren. Wegen der hohen Nachfrage sind die Kapazitäten stark ausgelastet. Die Beschäftigten verdienen mehr Geld, Preise und Zinsen ziehen weiter an. Die Produktion wird allerdings so stark angetrieben, dass sie überhitzt. Zwar legt das BIP weiter zu, aber nur noch schwach.

Ob die Krise endgültig überwunden ist, bleibt abzuwarten. Die deutsche Wirtschaft wird ihre Stärke zeigen müssen, falls der für Herbst erwartete Anstieg der Arbeitslosigkeit den Konsum belasten sollte und wenn die Konjunkturprogramme auslaufen. Außerdem hängt die Exportnation Deutschland von der Nachfrage im Ausland und damit der Stabilisierung der Weltwirtschaft ab.

Sagen Sie, dass es wegen der Konjunkurzyklen bei jeder Wirtschaftskrise irgendwann wieder aufwärts geht.

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