Startseite > Konjunkturforum > August-Umfrage im Konjunkturschattenrat – alle Details

August-Umfrage im Konjunkturschattenrat – alle Details

24. August 2009

In rasantem Tempo steigen derzeit die konjunkturellen Frühindikatoren. Was bedeutet das – für Wachstum, Finanz- und Geldpolitik? Hier sind die Antworten der deutschen Top-Konjunkturexperten: alle Details der Umfrage vom 19. bis 21. August im Schattenrat des WirtschaftsWunders.

1. Werden Sie Ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland 2010 in Kürze anheben (bzw haben Sie dies in den vergangenen vier Wochen bereits getan)?
a) ja, für 2009 und 2010 75%
b) ja, nur für 2010   0%
c) nein 25%

Die Botschaft ist klar: es geht um mehr als nur ein paar Ausreißer bei wackeligen Frühindikatoren. Selbst die Prognosen für 2009 werden jetzt nochmal überarbeitet – mit einem (bisher befürchteten) Minus von 6 Prozent dürfte in Kürze kaum noch jemand rechnen. Siehe auch letzte Frage.

2. Was ist der Hauptgrund für die globale konjunkturelle Besserung in diesem Frühjahr/Sommer?
a) Nachhol- bzw Rückpralleffekte bei Aufträgen und Lagerhaltung nach Abebben des Unsicherheitsschocks   54,50%
b) die erfolgreiche Wirkung von Konjunkturpaketen 27,30%
c) die expansive Ausrichtung der Geldpolitik  18,20%
d) anderes 0%

Warum scheint die Konjunktur jetzt so schnell zu wenden? Nach Einschätzung der Experten ist dafür ein Mix aus Nachholeffekten nach der Schockstarre, massiven Konjunkturpaketen und expansiver Geldpolitik verantwortlich. Die Hauptrolle dürften derzeit dabei die Nachholeffekte spielen. Da der Unsicherheitsschock abebbt, werden zurückgehaltene Aufträge jetzt wieder herausgeholt.

3. Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass die deutsche Wirtschaftsleistung bis Ende 2010 noch einmal in einem Quartal schrumpft (0-100 %)?
Durchschnitt der Antworten: 40%

Trotz der Erholung gibt es ein nennenswertes Risiko, dass die Wirtschaft in den kommenden Quartalen auch nochmal schrumpft. Das könnte passieren, wenn größere Impulse durch Konjunkturpakete auslaufen. Allerdings bliebe es dann wohl bei einem vorübergehenden Ausreißer nach unten.

4. Welche Konsequenzen hat die konjunkturelle Trendwende für den deutschen Arbeitsmarkt? Gemessen an den bisherigen Befürchtungen dürfte der Anstieg der Arbeitslosigkeit in diesem Herbst …
a)… jetzt deutlich geringer ausfallen 9,10%
b) … jetzt etwas geringer ausfallen 72,70%
c) … unverändert stark ausfallen 18,20%

Bedingte Entwarnung: eine sehr große Mehrheit der Ökonomen rechnet damit, dass die schnellere konjunkturelle Erholung auch den befürchteten, stets verzögert eintretenden Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland bremst. Fast drei Viertel der Schattenräte erwartet aber einen lediglich “etwas” geringeren Anstieg. Nur ein Experte hält eine “deutlich” bessere Entwicklung für möglich.

5. Wird die Arbeitslosigkeit in Deutschland bis Anfang 2011 an oder über 5 Mio steigen?
a) ja 9,10%
b) nein 90,90%

Wie sehr sich die Aussichten dennoch aufgehellt haben, zeigt die 5-Millionen-Frage. Noch vor ein paar Monaten gab es im Schattenrat gleich mehrere Experten, die bis 2011 die Rückkehr zur 5-Millionen-Marke für wahrscheinlich hielten. Jetzt ist es nur noch einer: Gustav Horn vom IMK.

6. Wie hoch schätzen Sie das Potenzialwachstum der deutschen Wirtschaft für die nächsten Jahre in etwa ein?
Durchschnitt der Antworten: 1,3%

Nach dem Einbruch im Winter stellt sich die Frage, ob und wie stark die Krise auch das mittelfristige Produktionspotenzial der deutschen Wirtschaft gedämpft hat. Fünf Experten veranschlagen das inflationsfrei mögliche Wachstum für 2010 jetzt nur noch auf 1,0 Prozent.  Die anderen Schätzungen rangieren zwischen 1,5 und 2,5 Prozent. Die Schätzungen haben dabei auch starken Einfluss darauf, wie hoch das strukturelle Staatsdefizit zu veranschlagen ist, da dies per Definition höher ausfällt, je niedriger das Potenzialwachstum ist.

7. Wie hoch schätzen Sie das konjunkturbereinigte Staatsdefizit Deutschlands für 2010?
a) unter 2 Prozent 10%
b) zwischen 2 und 3 Prozent 40%
c) über drei Prozent 30%
d) über vier Prozent 20%

Entsprechend auseinander driften die Schätzungen zum Strukturdefizit 2010. Optimisten gehen von weniger als zwei Prozent aus – der Rest würde sich dann durch die konjunkturelle Besserung quasi automatisch abbauen lassen. Skeptiker veranschlagen den Struktursaldo dagegen auf das Doppelte. Der Unterschied dürfte in den Potenzialannahmen zu finden sein.

8. Wann wird die Konjunktur in Deutschland wieder robust genug sein, um eine nennenswerte (diskretionäre) Rückführung des strukturellen Staatsdefizits einzuleiten (exit)?
a) jetzt schon 0%
b) im Laufe des zweiten Halbjahrs 0%
c) in der ersten Hälfte 2010 0%
d) in der zweiten Hälfte 2010 18,20%
e) erst 2011 81,80%

 

9) Wann erwarten Sie eine Rückkehr der Inflation auf Raten über 1 Prozent?
a) noch in diesem Jahr 20%
b) im ersten Halbjahr 2010 20%
c) im zweiten Halbjahr 2010 40%
d) frühestens 2011 20%

 

10) Wann sollte die EZB anfangen, ihre Leitzinsen wieder anzuheben?
a) noch in diesem Jahr 0%
b) in der ersten Hälfte 2010 9,10%
c) in der zweiten Hälfte 2010 72,70%
d) erst 2011 18,20%

 

11. Wie ist Ihre aktuelle Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland (nicht kalenderbereinigt)?
2009 -5,3%
2010 1,1
About these ads
Schlagworte:
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 117 Followern an