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… Kaufkraftparität

27. August 2009

Seit Monaten schonen Mini-Inflationsraten das deutsche Portemonnaie. Die sogenannte Kaufkraftparität macht den Wert des Geldes auch im Ausland vergleichbar.

Grundsätzlich gibt Kaufkraft an, was und wie viel sich Verbraucher leisten können. Hierzulande ermittelt das Statistische Bundesamt monatlich, wie stark die Preise für bestimmte Güter schwanken. Zuletzt blieben die Preise des repräsentativen Warenkorbs fast unverändert. Allerdings kosten Produkte nicht überall das Gleiche.

Das Konzept der Kaufkraftparität berücksichtigt dieses Problem und stellt die Kaufkraft einer Währung im In- und Ausland gegenüber. Vergleicht man Länder mit verschiedenen Währungen, werden die Preise durch Wechselkurse umgerechnet. Kaufkraftparität zwischen zwei Gebieten liegt dann vor, wenn die Preise für bestimmte Produkte eines Warenkorbs identisch sind. Dahinter steckt die Idee, dass dieser Index das Preisniveau eines Landes widerspiegelt.

Nach der Theorie schwanken Wechselkurse, um Preisniveauunterschiede auszugleichen. Denn nach dem Gesetz vom einheitlichen Preis müsste sich jedes Gut, egal ob Banane oder Fernseher, überall auf der Welt zum gleichen Preis verkaufen. Andernfalls gäbe es Arbitrage-Möglichkeiten: Händler kaufen das Produkt so lange billig ein und verkaufen es teurer weiter, bis sich die Preise angleichen. Allerdings hat das Modell seine Schwächen, weil es keine Zölle oder Steuern berücksichtigt und Transport- und Versicherungskosten vernachlässigt.

Jeder Tourist weiß, dass die Realität häufig anders aussieht. Ob ein Abendessen im Restaurant, eine Taxifahrt zum Flughafen oder ein maßgeschneiderter Anzug – die Preise können sich gewaltig unterscheiden. Doch auch im Ausland aktive Unternehmen interessieren sich für Kaufkraftunterschiede. Schließlich benötigen sie eine Basis, um die Gehälter der dortigen Mitarbeiter zu bestimmen.

Ein populäres Beispiel für Kaufkraftparitäten ist der von der Zeitschrift „The Economist“ regelmäßig veröffentlichte „Big-Mac-Index“. Seit 1986 ermittelt der Index, wie viel der Burger der Fast-Food-Kette McDonalds in den verschiedenen Ländern der Welt kostet. Die Journalisten rechnen die Preise in den jeweiligen Währungen zum aktuellen US-Dollar-Kurs um. Mit Hilfe der Burgerpreise möchte das Blatt die These des herrschenden Gleichgewichts auf dem internationalen Währungsmarkt widerlegen und die Über- bzw. Unterbewertung einzelner Währungen aufzeigen. Eine Währung ist demnach überbewertet, wenn der Big Mac in einem Land relativ teuer ist.

Der Big Mac könnte ein anschaulicher Indikator für die Kaufkraft einer Volkswirtschaft sein. Schließlich ist er fast überall auf der Welt in standardisierter Größe, Zusammensetzung und Qualität zu haben. Allerdings ist der Big Mac nicht international handelbar. Für einen hungrigen Deutschen etwa hat es wenig Sinn, einen Burger aus Thailand zu importieren.

Die australische Investmentbank CommSec hat deshalb im Jahr 2007 den „iPod-Index“ erfunden. Der Index vergleicht international den Verkaufspreis des Apple-Players, der im Gegensatz zum Burger über Landesgrenzen hinweg handelbar ist. In der aktuellen Studie von 2008 kostete die 8-Gigabyte-Version des Geräts in Australien mit knapp 132 Dollar am wenigsten. Am meisten mussten Kunden in Argentinien bezahlen – über 353 Dollar. Deutschland lag mit knapp 190 Dollar im Mittelfeld.

Egal ob Big Mac oder Musikplayer – einzelne Produkte taugen nur als sehr grober Indikator, um Kaufkraftparitäten abzuschätzen. Denn erstens hängen Preise nicht nur von der Kaufkraft ab, sondern auch von anderen Faktoren wie der  unterschiedlichen Nachfrage. So gilt der Big Mac in den Industriestaaten als Gebrauchsgut, während er in den weniger entwickelten Ländern eher ein Luxusgut ist. Zweitens werden Wechselkurse nicht nur von Preisen und Güterströmen beeinflusst, sondern auch von Devisenspekulationen und Zinsdifferenzen zwischen den Ländern, von Konjunkturschwankungen und politischen Faktoren.

Sagen Sie, die Kaufkraft ist nicht überall gleich, ein genauer Vergleich aber schwierig.

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