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… Marktmacht

10. September 2009

Erneut senken die großen Lebensmitteldiscounter wie Aldi und Lidl ihre Preise. Möglich werden solche Preissenkungen auch durch hohe Marktmacht.

Im Idealfall sollte es Marktmacht eigentlich nicht geben. Bei vollkommener Konkurrenz tummeln sich so viele Anbieter und Nachfrager auf dem Markt, dass der einzelne Akteur die sich bildenden Preise akzeptieren muss. Diese sind so gering, dass die Anbieter keine Gewinne erzielen. Mehr können sie nicht verlangen, weil ihre Abnehmer sonst zur Konkurrenz wechseln. Die Realität sieht jedoch meist anders aus: Einer oder mehrere Akteure können die Preise, Leistungen oder Konditionen der Partner beeinflussen.

Ökonomen untersuchen deshalb, inwieweit sich die Macht auf Seite der Anbieter oder Nachfrager konzentriert. Stehen wenigen Anbietern viele Nachfrager gegenüber, wird diese Marktform Angebotsoligopol oder auch einfach Oligopol genannt. Im Flugzeuggeschäft beispielsweise können Airlines nur zwischen wenigen Anbietern wählen. Das Gegenteil ist das Nachfrageoligopol (Oligopson). Auf dem Lebensmittelmarkt konkurrieren viele Produzenten um Verträge mit den wenigen wichtigen Handelsketten. Unternehmen mit hoher Anbietermacht können einen höheren Preis verlangen. Unternehmen mit großer Nachfragemacht versuchen ihren Lieferanten weniger zu zahlen.

Mithilfe der Wohlfahrtsanalyse beurteilen Experten, ob Marktmacht die Volkswirtschaft insgesamt schädigt. Bei vollkommener Konkurrenz ist die Wohlfahrt maximal. Je höher die Marktmacht, umso größer die Gefahr für Wohlfahrtsverluste. Ein Monopolist etwa schränkt seine angebotene Menge so stark künstlich ein, dass er den Preis in die Höhe treibt und seinen Gewinn maximiert. In Oligopolen können Unternehmen die Preise oder Mengen ebenfalls beeinflussen.

Wohlfahrtsverluste sind jedoch keine zwingende Folge von Marktmacht. Unter Umständen bleibt die gehandelte Menge gleich und wird lediglich zugunsten des mächtigeren Vertragspartners umverteilt. Im Fall der jüngsten Preiskämpfe zur Freude der Verbraucher: Sie profitieren von den kleineren Preisen.

Droht die Wohlfahrt allerdings aufgrund hoher Marktmacht zu schrumpfen, kann das Bundeskartellamt einschreiten. Die unabhängige Wettbewerbsbehörde setzt Kartellverbote durch, prüft Missbräuche von marktbeherrschenden Unternehmen, und kontrolliert Fusionen. Das Bundeskartellamt kann Zusammenschlüsse von Unternehmen verbieten, missbräuchliche Verhaltensweisen untersagen, Auflagen erteilen und Geldbußen verhängen. Auf EU-Ebene wacht die Europäische Kommission über Wettbewerbsverstöße.

Sagen Sie, dass Marktmacht die volkswirtschaftliche Wohlfahrt schmälern kann, aber nicht zwingend muss.

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