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Gustav-Stolper-Preis 2009

11. September 2009

Martin Hellwig ist gestern mit dem Gustav-Stolper-Preis vom Verein für Socialpolitik ausgezeichnet worden. Mit dem Preis ehrt die Ökonomenvereinigung Wirtschaftswissenschaftler, die die wirtschaftspolitische Diskussion beeinflusst und zum Verständnis der Ökonomie in der Öffentlichkeit beigetragen haben. Hellwig hatte sich im vergangenen Jahr in vielen Zeitungsartikeln und Medienbeiträgen zur aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise geäußert.

Als Sprecher des neu konstituierten Lenkungsrats Unternehmensfinanzierung vom Bundeswirtschaftsministerium hatte er sich jüngst dafür eingesetzt, dem Kaufhauskonzern Arcandor keine Staatshilfe zu gewähren.

Hellwig studierte Volkswirtschaftslehre in Heidelberg und Marburg und promovierte am renommierten MIT in den USA. Von dort führte es ihn über Stanford und Princeton zurück nach Bonn, wo er bis 1987 Professor war. Nach zwei weiteren Professuren an den Universitäten Basel und Mannheim leitet er seit 2004 das Bonner Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern. Außerdem war er von 2000 bis 2004 Präsident der Monopolkommission und von 2001 bis 2004 Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik. Seit 1995 ist er Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie und seit 2004 berät er die EU-Kommission in Wettbewerbsfragen.
 
Der Preisträger wurde von rund 3700 Vereinsmitgliedern selber gewählt, so dass die Preisvergabe auf breite Zustimmung stieß. „Ich finde es gut, dass Hellwig, der lange Zeit der international sichtbarste deutsche Ökonom war, jetzt für seine wirtschaftspolitische Leistung geehrt wird“, sagte Christoph Schmidt, Präsident des RWI Essen und seit März Mitglied des Sachverständigenrates. „Hellwig war der einzige, der sich auf der Vereinstagung vor einem Jahr überhaupt zur Finanzkrise geäußert hat.“

Schon einige Stunden vor Bekanntgabe des Preisträgers wurde beim Panel zur Bankenregulierung nach der Finanzkrise von Martin Hellwig gesprochen. Sowohl Hans Gersbach, Professor an der ETH Zürich, als auch Hans-Helmut Kotz, Vorstandsmitglied der Bundesbank, zitierten Martin Hellwig als den Ökonomen, der schon in den 1990ern auf die Schwächen der Bankenregulierung hingewiesen habe.

Wenn der Gustav-Stolper-Preis zweimal an den gleichen Ökonomen vergeben werden könnte, wäre wohl Hans-Werner Sinn wieder Preisträger geworden, der den Preis vor einem Jahr erhalten hatte. Denn viele Vereinsmitglieder meinten, dass sich Sinn nachwievor am häufigsten und am verständlichsten äußerte. Der Gustav-Stolper-Preis wurde dieses Jahr erst zum dritten Mal verliehen. Der Preisträger erhält 5000 Euro.

Aber es gab auch kritische Stimmen. „Andere Ökonomen, wie zum Beispiel Wolfgang Franz, sind schon viel länger in den Medien präsent“, sagte Horst Rottmann, Professor an der Fachhochschule Amberg-Weiden, „Hellwig hat sich erst seit der Finanzkrise zu Wort gemeldet.“ Rottmann hatte für den Wirtschaftsweisen Wolfgang Franz gestimmt.

Von Charlotte Bartels

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