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… Finanzielle Repression

27. November 2009

In Schwellen- und Entwicklungsländern mischt sich der Staat mitunter gehörig ins nationale Bankenwesen ein. Das stabilisiere die Wirtschaft, auch in Zeiten der Finanzkrise, sagen dortige Politiker. Ökonomen hingegen warnen vor finanzieller Repression.

Unter finanzieller Repression verstehen Ökonomen bestimmte staatliche Eingriffe, die Finanzmärkte behindern und letztlich das Wirtschaftswachstum hemmen. In China etwa bilden sich die Zinssätze nicht durch das freie Spiel von Angebot und Nachfrage. Stattdessen setzt die Regierung durch die People’s Bank of China fest, was Banken für Darlehen verlangen oder was sie ihren Kunden auf ihr Guthaben zahlen dürfen.

Chinesische Haushalte kommt das teuer zu stehen: Die Inflation zog in den letzten Jahren schneller an als Guthabenzinsen angepasst wurden. Im Jahr 2007 beispielsweise machten sie daher real gesehen mehr als vier Prozent Verlust, wenn sie ihr Geld der Bank anvertrauten. Verantwortliche verweisen darauf, dass Banken eine gewisse Marge zwischen Guthaben und Darlehenszinsen benötigten, um stark zu sein und dadurch die Wirtschaft unterstützen zu können. Haushalte finanzieren letztlich die künstlich niedrigen Kreditzinsen, mit denen die Wirtschaft angekurbelt werden soll.

Neben Zinsvorgaben können Staaten theoretisch auf weitere Instrumente der finanziellen Repression zurückgreifen: Durch Kontrollen von Kapitalflüssen kann die Regierung verbieten, Werte im Ausland zu kaufen oder dort Geld zu leihen. Der heimische Bankenmarkt braucht somit einerseits keine internationale Konkurrenz zu fürchten. Finanzhäuser stehen weniger unter Druck, ihre Kosten zu senken, weshalb sie möglicherweise weniger effizient arbeiten. Andererseits müssen sie den Markt allein aus eigenen Ressourcen bedienen.

Zusätzlich zementieren Eintrittsbarrieren die Vorherrschaft heimischer Banken. Sie können zusammenspielen und ihre kollektive Monopolstellung ausnutzen – zum Nachteil der Kunden. Einen Teil der Beute schnappt sich die Regierung, weil sie häufig die größten Banken kontrolliert.

Doch heimische Banken genießen nicht nur Vorteile. Sie können ihr Geld nicht ohne Weiteres in die attraktivsten Projekte investieren. Stattdessen binden strenge Kapital- und Liquiditätsvorschriften viel Geld in Staatspapieren und Rücklagen bei der Zentralbank. Diese Werte werfen jedoch relativ wenig oder gar keinen Ertrag ab. Banken zahlen also eine implizite Steuer an den Staat, würden sie doch sonst gewinnbringender anlegen.

Häufig sind die Banken nicht einmal in der Investition der verbleibenden Ressourcen frei: Vielmehr müssen sie bestimmte Anteile ihres Geldes an Sektoren oder Firmen verleihen, die von Regierung bevorzugt werden – manchmal zu niedrigeren Zinsen als üblich.

Sagen Sie, staatliche Eingriffe ins Bankenwesen können zu finanzieller Repression führen und das Wirtschaftswachstum hemmen.

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