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Aufsteiger-Check: Dekabank-Experte Janis Hübner zur Rolle der Schwellenländer in 2010

5. Januar 2010

2009 war das Jahr der großen Schwellenländer. Geht es 2010 so weiter? Das FTD-Wirtschaftswunder hat Janis Hübner, Experte für Emerging Markets bei der Dekabank in Frankfurt, gefragt.

 

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1. Wird die Bedeutung der großen Schwellenländer für die Weltwirtschaft 2010 weiter zunehmen?

Daran kann kaum ein Zweifel bestehen. Das Wirtschaftswachstum wird höher sein als in den Industriestaaten, und die Schwellenländer werden auch als Investitionsziele weiterhin attraktiv sein – sowohl für Finanzanlagen als auch für Direktinvestitionen. Zudem dürften Unternehmen aus diesen Ländern vermehrt selbst als Käufer für Unternehmen aus Industriestaaten auftreten.

2. Welche großen Schwellenländer werden 2010 besonders wichtige Wachstumstreiber sein? Welche eher enttäuschen?

Das Wachstumszentrum wird Asien sein, wo wir für alle großen Staaten Wachstumsraten von über 5% erwarten. China kommt erneut eine Sonderrolle zu, da es nicht nur das größte Land der Emerging Markets ist, sondern auch das höchste Wachstum aufweisen dürfte. In Mittel- und Osteuropa sind die strukturellen Probleme ungleich größer als in Asien, so dass wir hier nur von einer schwachen Erholung ausgehen. Da hier die Erwartungen jedoch auch entsprechend gering sind, kann man nicht unbedingt von einer Enttäuschung sprechen, wenn es so kommt. In Lateinamerika erwarten wir für Brasilien einen nachhaltigen Aufschwung, während sich Mexiko nur langsam von dem tiefen Einbruch erholen kann.

3. Sollte Indonesien anstelle von Russland in den BRIC-Kreis aufrücken?

Nein, denn Russland verfügt über einen deutlich höheren Anteil an der Weltwirtschaft (3,3% gegenüber 1,3% für Indonesien, gerechnet nach Kaufkraftparitäten, IWF-Zahlen für 2007). Allerdings dürfte sich Indonesien in den kommenden Jahren auf einem höheren Wachstumspfad bewegen als Russland, so dass man die Frage in einigen Jahren vielleicht anders beantworten kann.

4. Droht China eine gefährliche Blase?

Da China die eigene Währung nicht stark aufwerten lassen möchte, dürfte die Geldpolitik noch einige Zeit relativ expansiv bleiben. Das treibt vor allem die Vermögensmärkte. In einzelnen Segmenten des Immobilienmarktes kann man heute schon von einer Überhitzung sprechen, aber nicht für den gesamten Markt in China. Aktien sind sicher nicht niedrig bewertet, doch eine Blase sehen wir hier gegenwärtig nicht. Aufgrund der hohen Volatilität des chinesischen Aktienmarktes müssen Rückschläge aber immer einkalkuliert werden.

 
Die BIP-Prognosen der Dekabank für 2010:

Brasilien: 4,5%

China: 9,5%

Indien: 8,0%

Russland: 3,8%

Im Aufsteiger-Check wird jeden Dienstag die aktuelle Lage in den großen Schwellenländern China, Russland, Indien und Brasilien beleuchtet, deren Bedeutung für die Weltwirtschaft seit der Krise noch größer geworden ist. Dafür befragen wir Emerging-Market-Experten aus Banken und Instituten.

 

 

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