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… Humankapital

21. Januar 2010

Gerade in Krisenzeiten sind unzählige Arbeitsplätze bedroht. Der wichtigste Erfolgsfaktor für Wohlstand und wirtschaftlichen Fortschritt gerät damit unter Druck: das Humankapital.

Mit Humankapital bezeichnen Ökonomen jenes Wissen und Können, das Menschen durch Bildung erwerben. Unternehmer interessieren sich dabei besonders für jenes Know-How, das sie für den Erfolg ihrer Firma nutzen können. Volkswirtschaftlich gesehen steigert Humankapital die Produktivität und treibt das Wachstum an. Arbeitskräfte hoffen ihrerseits langfristig mehr zu verdienen, wenn sie in ihre Aus- und Fortbildung investieren. Tatsächlich zeigen empirische Studien, dass sich die Mühe lohnt: Je größer das Humankapital, umso üppiger das Gehalt und umso größer die Wertschöpfung.

Unternehmen sollten sich bemühen einerseits diejenigen Kompetenzen zu stärken, die für die Tätigkeiten ihrer Mitarbeiter wichtig sind und andererseits deren Know-How besser zu nutzen. Das heißt aber auch: nicht jede Art von Wissen ist für Firmen brauchbar. Dennoch können sie durch Weiterbildung ihr Personal gezielt trainieren. Wer Arbeitskräfte hingegen vorwiegend als Kostenfaktor betrachtet, verkennt wichtige Bausteine des Unternehmenswerts und gefährdet dessen langfristige strategische Entwicklung.

Auch Europas Spitzenpolitiker wissen um die Bedeutung des Humankapitals. Auf einer Sonderkonferenz des Europäischen Rates im März 2000 in Lissabon stellten sie die Investition in Humankapital ins Zentrum ihrer Entwicklungsstrategie: die Europäische Union soll zur wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaft der Welt werden. Höhere Bildung hat darüber hinaus Vorzüge, die sich in Geld nicht messen lassen: eine bessere Gesundheit etwa, eine längere Lebenserwartung und ein wahrscheinlich aktiveres Mitwirken in der Gesellschaft.

Bildung wird immer wichtiger. Industrienationen entwickeln sich zu Wissensgesellschaften. Arbeitsplätze in der Industrie gehen verloren, gerade bei einfacheren Jobs steigt der Wettbewerbsdruck. Im Jahr 1995 arbeiteten mehr als 28 Prozent der Beschäftigten in den OECD- Ländern in der Industrie und über 63 Prozent im Dienstleistungssektor. Zehn Jahre später waren es nur noch 25 Prozent in der Industrie und dafür mehr als 69 Prozent im Dienstleistungssektor.

Der technologische Fortschritt schafft neue Stellen, die es so vorher nicht gab oder die andere Kompetenzen abverlangen. Arbeitskräfte verwandeln sich stärker denn je in Wissensarbeiter. Gefährlich wird es für diejenigen, die ihren Job verlieren. Finden Sie nicht rasch eine neue Arbeit, droht ihr Humankapital zu schrumpfen, weil sie ihr Wissen und Können nicht regelmäßig einsetzen oder erweitern.

Zusätzlich setzt der demografische Wandel besonders die Industrieländer unter Druck. Sie müssen dringend die Produktivität der kommenden Generationen steigern, um das wachsende Heer an Rentnern finanzieren zu können. Arbeitnehmer müssen damit rechnen, länger zu arbeiten. Das geht am besten, wenn sie ihr Können regelmäßig auf den neuen Stand bringen.

Sagen Sie, dass Humankapital entscheidend den Erfolg von Unternehmen beeinflusst und angesichts des wirtschaftlichen und demografischen Wandels immer wichtiger wird.

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