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… Ratingagenturen

17. März 2010

Griechenland taumelt, und die Märkte schielen auf die Bonitätsnoten der Ratingagenturen. Die Zukunft des finanziell angeschlagenen Landes hängt auch von ihrem Urteil ab. Warum sie so mächtig sind und wann das problematisch wird.

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit (Bonität) von Unternehmen und Staaten. Sie prüfen, inwieweit Gläubiger damit rechnen müssen, auf ihren Forderungen sitzen zu bleiben. Agenturen erfüllen damit eine wichtige Funktion: Insbesondere Banken müssen Risiken professionell einschätzen, bevor sie Kredite vergeben oder von den Schuldnern Anleihen kaufen. Dabei können die Kreditinstitute eigene Kriterien anwenden oder eben auf externe Ratings der Agenturen zurückgreifen.

In beiden Fällen errechnen Experten die Ausfallwahrscheinlichkeiten von Krediten. Je kleiner die Gefahr, umso höher die Bonität und umso besser das Rating. Ihr Urteil bringen die Agenturen in sogenannten Ratingcodes zum Ausdruck: Sie reichen üblicherweise von der Bestnote AAA („Triple A“) bis D (zahlungsunfähig oder im Zahlungsverzug).

Je nach Agentur unterscheidet sich die Schreibweise. Moody’s etwa verwendet Zahlen als Zusatz, zum Beispiel Aa1, Aa2, Aa3, während Standard & Poor’s (S&P) ein „+“ oder „-“ anfügt. Die einzelnen Noten ordnen die Agenturen verschiedenen Ratingklassen zu.

Die Finanzbranche unterscheidet zwischen den beiden Klassen „Investmentgrade“ (AAA bis BBB inklusive Baa3/BBB-) und „Sub-Investmentgrade“ oder „Speculative Grade“ (BB oder schlechter). Institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen müssen besonders Acht geben: Oftmals dürfen sie per Gesetz oder aufgrund eigener Statuten nur Anleihen von solchen Schuldnern kaufen, die ein bestimmtes Mindestrating erfüllen.

Deutschland gilt mit einem „AAA“ seit langem als Top-Schuldner, ebenso wie Frankreich, Großbritannien oder die USA – trotz Wirtschaftskrise. Das Premium-Rating ist bares Geld wert, denn in der Finanzwelt gilt: Je besser die Note, desto geringer die Zinsen, die Schuldner für Kredite bezahlen müssen.

Griechenland ist von der Schuldner-Königsklasse angesichts seiner desolaten Finanzlage meilenweit entfernt. Die großen Ratingagenturen Fitch und S&P senkten ihre Ratings für griechische Staatsschulden bereits Ende 2009 auf BBB+. Nur Moody’s gibt den Hellenen mit „A2“ noch ein Rating im A-Bereich.

Rutscht Griechenland auch bei der dritten Top-Agentur in die B-Zone, drohen griechische Banken noch stärker unter Druck zu geraten: Die Europäische Zentralbank (EZB) akzeptiert nur dann Staatsanleihen als Sicherheit beim Geldverleih an Banken, wenn mindestens eine der drei Ratingagenturen den jeweiligen Staat mit einer A-Note bewertet.

Zwar gilt wegen der Finanzkrise derzeit eine Ausnahme, wonach das Mindestrating bei BBB- liegt. Diese Regel gilt aber nur bis Ende des Jahres. Das Urteil einer einzigen Ratingagentur kann also darüber entscheiden, inwieweit sich ein Land Geld beschaffen kann.

Die EZB erwägt deshalb, ein eigenes Bonitätsrating einzuführen, um die Macht der Agenturen zu beschneiden. Ohnehin hat die Glaubwürdigkeit der Ratingagenturen seit dem Ausbruch der Subprimekrise 2007/08 stark gelitten. Teilweise hatten sie Bestnoten für verbriefte Wertpapiere vergeben, die sich später als sehr riskant herausstellten, und vielen Kreditinstituten so einen problematischen Kaufanreiz signalisiert.

Sagen Sie, die Urteile von Ratingagenturen seien ein gewichtiges, aber nicht das einzige Kriterium für Kredit- und Investitionsentscheidungen.

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