Startseite > Chefökonom > … Kurzarbeit

… Kurzarbeit

8. April 2010

Bei Konjunkturkrisen oder saisonalen Schwankungen drohen viele Jobs verloren zu gehen. Der Staat versucht das mit Kurzarbeit zu verhindern.

In Deutschland gibt es drei Arten von Kurzarbeit: die Saison-, die Transfer- und die konjunkturell bedingte Kurzarbeit. Mit diesen Instrumenten versucht der Staat, Unternehmen mit Hilfe von finanziellen Zuschüssen von Kündigungen abzubringen.

Saisonkurzarbeit richtet sich an Wirtschaftsbereiche, deren Geschäft stark von den Jahreszeiten abhängt, insbesondere das Baugewerbe. Im Winter müssen die Bauarbeiter wegen der Kälte öfter zu Hause bleiben. Damit sie ihre Jobs behalten können, fördert der Staat die Baufirmen für kurze Zeit finanziell. Mit dem Kurzarbeitergeld unterstützt die öffentliche Hand solche Betriebe, die organisatorisch restrukturieren müssen und in denen es dadurch zum Arbeitsausfall kommt.

Der Rettungsanker im Krisenjahr 2009 hieß jedoch konjunkturelles Kurzarbeitergeld. Die Idee: Der Staat unterstützt für einen befristeten Zeitraum Unternehmen in einer gesamtwirtschaftlich brenzligen Lage, damit sie keine Mitarbeiter mangels Arbeit entlassen. An die Beschäftigten überweist die zuständige Bundesagentur für Arbeit dann 60 Prozent, bei Elternschaft 67 Prozent des durch Arbeitsausfall entgangenen Nettoentgelts. Außerdem muss der Arbeitgeber nur für 80 Prozent des Bruttoeinkommens Sozialversicherungsbeiträge zahlen.

Wegen der Wirtschaftskrise hat die Bundesregierung die Kurzarbeit von 6 auf 24 Monate verlängert. Die Bundesagentur übernimmt sogar sechs Monate lang die Hälfte der Beiträge und erstattet sie auf Antrag ab dem siebten Monat in voller Höhe. Diese Ausnahmeregeln gelten zunächst bis Ende 2010.

Im Jahr 2009 befanden sich durchschnittlich über 1,1 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. Zum Höhepunkt im Mai waren es sogar 1,5 Millionen Menschen. Die Bundesagentur für Arbeit kostete die Kurzarbeit bislang über fünf Milliarden Euro.

Natürlich erhält nicht jede Firma, die unter der Krise ächzt, staatliche Hilfe durch Kurzarbeit aus konjunkturellen Gründen. Der Arbeitsausfall muss erheblich, unvermeidbar und bei der Bundesagentur für Arbeit angezeigt worden sein. Als erheblich gilt, wenn mindestens jeder dritte Mitarbeiter wegen des Arbeitsausfalls mehr als zehn Prozent weniger Gehalt oder Lohn erzielt. Bis Ende 2010 reicht es bereits aus, wenn mehr als jeder zehnte Beschäftigte davon betroffen ist (Konjunkturpaket II).

Als unvermeidbar zählt der Ausfall, wenn er weder im Unternehmen oder der Branche üblich, saisonal bedingt noch durch die Organisation des Betriebs hervorgerufen ist. Außerdem darf es nicht möglich sein, den Ausfall mit bezahltem Urlaub oder Schwankungen der Arbeitszeitkonten aufzufangen.

Prinzipiell können alle Marktseiten vom Joberhalt durch Kurzarbeit profitieren. Der Staat verhindert, dass in den Sozialkassen Beitragszahler verloren gehen, er noch mehr Arbeitslosengeld bezahlen muss und womöglich die Sockelarbeitslosigkeit nach einer konjunkturellen Erholung wächst. Arbeitnehmer behalten ihren Job, wenngleich ihr Einkommen geringer ausfällt.

Die Unternehmen ihrerseits ersparen es sich, bei aufhellender Konjunktur zusätzliche Mitarbeiter kostspielig neu suchen, einstellen und einarbeiten zu müssen. Gerade wo es an Fachkräften mangelt, halten Betriebe gerne an guten Mitarbeitern und deren Know-How fest. Schließlich können sie die arbeitsfreie Zeit nutzen, um die Beschäftigten speziell weiter zu qualifizieren.

Trotz aller Vorteile. Kurzarbeit birgt Risiken. Denn sie ist für Unternehmen nicht kostenneutral. Zwar müssen sie sie keine Löhne und Gehälter für den Arbeitsausfall zahlen, wohl aber für Teile der Lohnnebenkosten und eventuelle tarifvertragliche Zuschüssen aufkommen (Remanenzkosten). Dauert die Konjunkturflaute lange an, lohnt es sich für Unternehmen rechnerisch nicht mehr, die Arbeitsplätze zu sichern. Die Remanenzkosten sind höher als die Kosten der Wiedereinstellung nach dem Ende der wirtschaftlichen Rezession.

In der aktuellen Wirtschaftskrise hat die Kurzarbeit die Arbeitsproduktivität gedrückt und die Lohnstückkosten verteuert. In dieser Hinsicht büßt Deutschland zumindest kurzfristig an Wettbewerbsfähigkeit ein.

Sagen Sie, Kurzarbeit kann Jobs retten, wenn sie bei den richtigen Unternehmen und nicht zu lange eingesetzt wird.

About these ads
Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 118 Followern an

%d Bloggern gefällt das: