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Neue Denker der Ökonomie (10) – Hélène Rey und das neue Dilemma des Weltfinanzsystems

25. Mai 2010

Die USA sind so etwas wie die Bank für die Welt. Was passiert, wenn das Vertrauen in sie schwindet? Hélène Rey fordert neue Antworten auf das Dilemma des globalen Finanzsystems

Bislang fanden internationale Zahlungsströme und externe Ungleichgewichte in den Modellen der Ökonomie nur wenig Beachtung. Um das Risiko künftiger Krisen zu verringern, sollten diese Faktoren nach Ansicht von Hélène Rey, Ökonomin an der London Business School, allerdings dringend berücksichtigt werden.
Länder mit Leistungsbilanzdefiziten wie beispielsweise Griechenland und Spanien registrieren in einer globalisierten Finanzwelt hohe Kapitalzuflüsse. Auch in den USA hat ausländisches Kapital in den vergangenen Jahren den Binnenkonsum finanziert, sagt Rey.

Der feine Unterschied zwischen diesen Ländern: „Die USA sind der Kern des internationalen Geldsystems“, so die Ökonomin. Dem Land komme die Rolle einer Weltbank zu. Es emittiert kurzfristige US-Bonds, die von Staaten weltweit als sichere Anlage nachgefragt werden. Gleichzeitig, so hat Rey herausgefunden, investieren die USA in längerfristige und riskantere Anlagen.

Das entspricht dem Problem der Fristentransformation von Geschäftsbanken, sagt die Französin. Genau dort könnte auch das Problem des Weltwährungssystems liegen: Denn dieses Missverhältnis von kurzfristigen Einlagen und langfristiger Geldanlage in riskantere Positionen macht das Land anfällig für Bank-Runs, sagt Rey.

 Weil Länder weltweit US-Anleihen stark nachfragen, steige auch der Druck, dass die USA zu viel Liquidität ausgeben. Es gebe, so Rey, ein neues „Triffin-Dilemma“. Dieses beschreibt ursprünglich das Problem des Nachkriegswährungssystems von Bretton Woods, dass in einer wachsenden Weltwirtschaft immer mehr Dollar nachgefragt würden und dieser damit immer weniger durch Gold gedeckt war.
Nach Reys Ansicht könnte eine multipolare Welt mit mehreren Leitwährungen vorteilhafter sein als die Hegemonie des Dollar. „Es sollte mehr Forschung über ein neues Weltfinanzsystem unternommen werden“, sagt Rey.

Nach der gängigen Wissenschaft führt eine multipolare Welt zu mehr Instabilität. Rey stellt nun die Frage, ob das Problem der Volatilität nicht kleiner sein könnte als die Herausforderungen, mit denen sich die Welt derzeit konfrontiert sieht.
Allerdings gibt Rey zu bedenken, dass es noch keine wahre Alternative zum US-Dollar gibt. Das chinesische Finanzsystem sei noch zu unterentwickelt. Und der Euro steckt derzeit in seiner größten Bewährungsprobe. Die Voraussetzungen würde er allerdings erfüllen.

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