Startseite > Chefökonom > Neue Denker (16): James Galbraith und das Einkommensgefälle

Neue Denker (16): James Galbraith und das Einkommensgefälle

6. Juli 2010

Ökonomische Ungleichheit ist ein Schlagwort der Finanzkrise. Um sie besser zu messen, entwickelt James Galbraith neue Methoden

Die globalen Einkommen sind in den vergangenen vier Dekaden stark auseinandergedriftet. Die Ursachen dafür untersucht der Ökonom James Galbraith, Professor an der Universität Texas. Dank der umfangreichen Datenbank seines dort seit zehn Jahren bestehenden Projekts zur Erforschung von wirtschaftlicher Ungleichheit kann er auch die Chronologie dieser Entwicklung aufschlüsseln.

Die Idee Rapide hat sich die Einkommensschere seit Anfang der 1980er-Jahre geweitet, wie Galbraith mithilfe neuer Messmethoden herausgefunden hat. Als zentrale Ursachen dafür nennt er insbesondere den weltweiten Anstieg von Zinsen und Staatsschulden, die das Machtverhältnis von Gläubigern und Schuldnern beeinflusst hätten. Bis Ende der 1990er-Jahre stieg die Ungleichheit steil an. Eine leichte Trendumkehr sei erst seit Anfang dieses Jahrtausends messbar. Galbraith führt dies vor allem auf die sinkenden Zinsen an den weltweiten Kapitalmärkten und die steigenden Rohstoffpreise zurück. Der Rückgang der Ungleichheit habe den in den zwei Jahrzehnten zuvor registrierten Anstieg aber nur zu einem kleinen Teil wettmachen können, sagt Galbraith.
 
Was Praktiker daraus lernen Noch immer ist der Gini-Koeffizient das gebräuchlichste Maß zur Bestimmung von Ungleichheit – nicht zu Recht, wie Galbraith findet. Er hat gemeinsam mit Kollegen unter anderem den Theil-Index entwickelt, mit dem seiner Einschätzung nach die Unterschiede zwischen Ländern vergleichbarer sind. Politiker könnten mit dieser Methode den Zusammenhang zwischen dem Entwicklungsprozess eines Landes und der Ungleichheit besser erkennen, so Galbraith. Und weil ökonomische Ungleichheit sehr stark von den Finanz- und Rohstoffmärkten beeinflusst würde, sollten internationale Politiker nach Auffassung von Galbraith stärker international zusammenarbeiten. Würden diese Märkte besser reguliert, fiele auch die Ungleichheit, so seine Ansicht.

About these ads
Schlagworte:
Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 118 Followern an

%d Bloggern gefällt das: