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3 gegen 1 – Das Konjunkturforum des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung

17. März 2011

“Hat der Euroraum eine Zukunft?”, fragte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) auf seinem jährlichen Konjunkturforum in Berlin. Was passiert, wenn man drei linke Ökonomen und einen Arbeitgebervertreter zusammen auf eine Bühne stellt? Vier Wirtschaftsexperten diskutieren hitzig über Diskussion über Löhne, Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsbilanzen.

Der Moderator des Konjunkturforums hatte gleich klar gemacht, dass hier unterschiedliche Meinungen aufeinander treffen werden: “Hans-Olaf Henkel und Heiner Flassbeck haben durchaus eine Gemeinsamkeit”, sagte er zu Beginn der Veranstaltung. Henkel habe nämlich an der Uni studiert, an der Flassbeck Honorarprofessor ist.

Tatsächlich hatten die beiden sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie es mit der Gemeinschaftwährung weitergehen soll. Das IMK fragte in seinem Forum nach der Zukunft des Euro: Und wie soll es weitergehen? Was sind die Gründe für die Krise? Und hat der Euroraum denn überhaupt eine Chance?

Hans-Olaf Henkel war der erste Redner und begann mit einem Eingeständnis: Sein Werben für den Euro sei falsch gewesen: “Es sind heute immer noch die gleichen wie in den 90er Jahren, die für oder gegen den Euro sind. Es gibt nur einen, der sagt, dass er einen Fehler gemacht hat – und das bin ich.“ Danach stellte er seine Idee vor, die Eurozone in Norden und Süden zu teilen. “Denn natürlich hat der Euro eine Zukunft”, griff der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der deutschen Industrie den Titel des Konjunkturforums wieder auf. “Die Frage ist nur, welche.” Zwei Alternativen gäbe es seiner Einschätzung nach in der jetzigen Schuldenkrise: „Die eine ist die, die der Markt herbeiführen kann. Das ist das Chaos. Die zweite ist die Trennung in einen Nordeuro und einen Südeuro.“

Heiner Flassbeck, der als Ökonom bei der UNO-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD) arbeitet, hatte Henkel offenbar genau zugehört und machte darauf aufmerksam, dass die Begriffe “Nordeuro” und “Südeuro” auf ihn zurückgehen: “Ich hoffe, sie haben das in ihrem neuen Buch ordentlich zitiert.“ Danach legte er dar, wie höhere Löhne in Deutschland den Euro retten sollen. „Die Nominmallöhne müssen in Deutschland stärker steigen als im Rest des Euroraums. Wenn die deutschen Löhne ab jetzt jedes Jahr um 4,5 Prozent erhöht werden, gibt es bis 2022 einen Ausgleich in der preislichen Wettbewerbsfähigkeit”, sagte er.

Als Dritter betrat Stephan Schulmeister vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung die Bühne. Er ging seinen Vortrag viel grundsätzlicher an und plädierte dafür, dass sich Europa wieder auf die Realwirtschaft konzentrieren solle. „Die Finanzwirtschaft ist nicht die Stärke Europas“, so der Ökonom aus Wien, der immer wieder seinen “Schmäh” spielen ließ und wohl die meisten Sympathiepunkte im Saal sammelte. „Die Unternehmen sind von realwirtschaftlichen auf finanzwirtschaftliche Investitionen umgestiegen.“

Als Hausherr hatte Gustav Horn das letzte Wort. Der wissenschaftliche Direktor des IMK findet, dass die Eurokrise nur gelöst werden kann, wenn die Nettoauslandspositionen angepasst werden. Dazu gibt es zwei Alternativen: Entweder wachsen die Defizitländer stärker als die Länder, die einen Überschuss erwirtschaften, oder die Überschussländer schrumpfen. „Es gibt also keine Trennung zwischen Defizit- und Überschussländern.“

Anschließend gab es eine Podiumsdiskussion, bei der die Fronten klar gezeichnet waren: Alle gegen Henkel. Flassbeck, Horn und Schulmeister schimpften auf Mainstreamökonomen, Henkel hielt den Dreien vor, “Exoten” zu sein. Nach einer Weile hatte Hans-Olaf Henkel einen recht zerknirschten Gesichtsausdruck – er hatte ja auch wahrlich keinen einfache Aufgabe. Eine ausgeglichene Diskussion sieht anders aus. Aber die kann auch nicht das Ziel der Veranstalter gewesen sein, wenn man drei Ökonomen, die mehr oder weniger der gleichen Meinung sind, einen “aus Funk und Fernsehen bekannten Vertreter der Arbeitgeberseite”, so der Moderator, gegenüberstellt.

Henkel betonte sowohl bei seinem Vortrag als auch der Podiumsdiskussion immer wieder, dass er kein Ökonom sei. Wahrscheinlich, um sich von der Fachkompetenz seiner Mitstreiter abzugrenzen. Seine Expertise in der amerikanischen und französischen Wirtschaft zieht er daraus, wie er mehrmals sagte, dass er lange Jahre in beiden Ländern lebte. Dass er auch in Griechenland für längere Zeit weilte, ist nicht bekannt.

Trotz aller Meinungsdifferenzen fand sich dann doch noch eine zweite Gemeinsamkeit: Alle vier lehnen den “Pakt für Wettbewebsfähigkeit” ab, den Kanzlerin Angela Merkel auf den Tisch brachte. Natürlich aus verschiedenen Gründen, aber wollen wir mal nicht so kleinlich sein.

Der Fairness halber hätte das IMK Hans-Olaf Henkel einen Mitstreiter zur Seite stellen können. Andererseits wusste Henkel ja, was bei einer Veranstaltung eines gewerkschaftsnahen Institut auf ihn zukommt. Dem Publikum hat man dagegen einen Gefallen getan, denn eines musste man der Runde im Französischen Dom zu Berlin bescheinigen: unterhaltsam war sie.

Von Katharina Brunner

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