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Neue Denker in Bretton Woods – Gordon Brown fordert mehr globale Kooperation

10. April 2011

Das Publikum hatte der ehemalige britische Premier Gordon Brown bei seiner Lunch-Rede am Samstag schnell auf seiner Seite. Die Erinnerung an einen ironischen Ausspruch John Maynard Keynes gemünzt auf die politische Zunft reichte aus: Politik sei „the survival of the unfittest“, zitierte Brown den großen Denker, dessen Vorstellung von Wirtschaft so gar nicht der Devise des britischen Königreichs entspricht.

Ein Gruß auch an den aktuellen Premier David Cameron, der derzeit mit einem scharfen Sparpaket versucht, die angeschlagene Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Respekt zollten die Zuhörer auch einer vollständig frei vorgetragenen halbstündigen Rede – angereichert mit ökonomischen Zahlen. Die Message: Angesichts der weiter zunehmenden Globalisierung braucht es mehr politische Koordinierung.

Die globale Wirtschaftslandschaft werde sich in den kommenden Jahren grundlegend ändern. Bis spätestens 2025 dürfte Asien rund 40 Prozent des globalen Konsums auf sich vereinen – die USA im Gegensatz dazu nur noch etwa die Hälfte, so Brown. Auch Europa dürfte nur eine untergeordnete Rolle spielen. Der deutsche Konsumanteil wird dann voraussichtlich bei vier Prozent liegen, der britische bei drei Prozent.

Die zwingende Schlussfolgerung aus dieser Entwicklung nach Brown: Mehr globale Koordinierung ist durchaus im Sinne Europas und der USA. Daher sei es wichtig, dass sich diese Regionen „neu erfinden.“ Nicht nur China dürfte sein von Investitionen getriebenes Wachstum nach Ansicht Browns in den kommenden Jahren Richtung Konsum verschieben. Auch im Nahen Osten und in Afrika entstehe eine Mittelschicht. So stelle Afrika 15 Prozent der Weltbevölkerung. Allerdings gingen bislang nur zwei Prozent der Investitionen dorthin.

Und sollten die politischen Probleme im Nahen Osten in den kommenden zwei Jahren behoben sein, könnte es dort zu Unruhen kommen wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit. Auch das spreche für mehr Zusammenarbeit. Ebenso wie die Gefahr vor einem neuen globalen Wettkampf von Staaten um Banken und Finanzinstitute mittels laxer Kapitalvorschriften. Darüber hinaus müssten auch internationale Institutionen gestärkt und im Zweifel neu gegründet werden: So gebe es noch keine globale Einrichtung, die sich ausschließlich Umweltproblemen widme.

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