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Neue Denker in Bretton Woods – Lord Turner verabschiedet sich vom Wachstumsfetisch

11. April 2011

Bereits im vergangenen Jahr überraschte der Chef der britischen Finanzaufsicht, Lord Adair Turner, auf der ersten Inet-Konferenz mit seiner Dinner-Speech. Der meistgeklickte Clip im Netz, mehr Resonanz bekam keine andere Rede, sagte Inet-Direktor Rob Johnson gestern Abend. Und auch in diesem Jahr sorgte der smarte Brite für offene Münder, als er sich gegen eine Reihe von Studien stellte:

So dürfte mit der Deregulierung der Finanzmärkte in den vergangenen 30 Jahren das Gemeinwohl keineswegs gestiegen sein, lautete eine Message. Auch sei nicht klar, ob das gesellschaftliche Gesamtinteresse ab einem gewissen Einkommsniveau überhaupt noch weiter stiege.

Zwar sollten sich Volkswirtschaften weiterentwickeln. Doch in erster Linie sei Stabilität entscheidend. Dabei spielt es gemäß Lord Turner auch eine untergeordnete Rolle, ob eine Volkswirtschaft über 20 Jahre mit durchschnittlich 2,1 Prozent oder 2,0 Prozent pro Jahr wachse. Was Menschen nicht mögen, sind Rückschläge, so Turner.  

Dabei kritisierte er, dass auch die Wirkung von Anreizen ab einem gewissen Einkommen überschätzt werde. So sei unsicher, wie effektiv Bestverdiener arbeiten würden. Auch das in der Ökonomie gerne verwendete Maß des Grenzlohns greife hier zu kurz. Für die volkswirtschaftliche Lehre bedeutet das nach Ansicht von Lord Turner, dass sie der Politik Wahlmöglichkeiten geben müsse. Nur eine ökonomische Lehre, die Alternativen biete, sei auch eine gute Ökonomie.  

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