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Neue Denker in Bretton Woods – Topökonomen schießen sich auf Deutschland ein

11. April 2011

Die ökonomische Weltelite in Bretton Woods beschäftigt sich mit Deutschland – kein Grund indes zur Freude für heimische Politiker und Ökonomen. Denn nicht das Wunder am Arbeitsmarkt oder der krätige Aufschwung nach der Krise sind im Fokus. Es hagelt Kritik bezüglich der deutschen Haltung gegenüber der Euro-Zone.

„Deutschland sollte sich einer führenden Rolle in der Euro-Krise stellen“, forderte Philippe Aghion, Professor an der Elite-Uni Harvard. Ähnlich äußerten sich viele andere Topökonomen – auf dem Podium und am Rande der Konferenz. Konsolidierten die angeschlagenen Peripherieländer jetzt an der falschen Stelle, könnte das ihre langfristigen Wachstumsperspektiven entscheidend gefährden, sagte Aghion der FTD.

Das dürfte leicht passieren, wenn Länder wie Portugal ihre Ausgaben in Bildung kappten. Die Finanzmärkte könnten dann schlechtere Wachstumsperspektiven prognostizieren als ohne den scharfen Sparkurs – was dann erst recht Anlass zu Spekulation geben würde.

Am Ende könnte das sogar den Euro selbst gefährden, wenn Deutschland sich nicht solidarischer mit seinen Partnern zeigt. Zwar sei der moderate deutsche Lohnkurs vor der Finanzkrise in Ordnung gewesen, so Aghion. Allerdings sollten die Löhne künftig so wachsen, dass die südlichen Euro-Länder sich anpassen können, sagte er.

Auch Martin Wolf, Chefkolumnist der Financial Times, betonte, dass die deutsche Haltung die Erholung der Randländer behindere. Und nach Einschätzung von Keynes-Biograf Lord Robert Skidelsky  hänge die Größe der Rettungspakete für die Euro-Peripherie auch davon ab, ob Deutschland seine Verpflichtung annehme, sich ebenfalls anzupassen.

Zur Erinnerung: Vor allem die Bundesregierung war es im vergangenen Jahr, die ihre Unterstützung  für die Euro-Partner nur im Gegenzug zu ambitionierten Austeritätsprogrammen zusagte. Was ein scharfer Sparkurs bringt, zeigte Kevin O’Rourke, Professor am Trinity Collage in Dublin, auf.

So galt Irland zum Höhepunkt der Euro-Krise im Frühjahr 2010 als Paradebeispiel für erfolgreiche Konsolidierung. Von dieser Begeisterung ist bis heute kaum etwas geblieben. Denn am Ende dürfte das Land nach aller Anstrengung und heftigen Ausgabenkürzungen noch immer eine Neuverschuldung von 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufweisen, so O’Rourke.

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