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Wirtschaftsdienst exklusiv – Ökonomische Folgen eines Atomausstiegs in Deutschland

13. Mai 2011

Im Juni wird die Bundesregierung einen neuen Fahrplan für den Atomausstieg in Deutschland bekannt geben. Mit den ökonomischen Folgen des Energiewandels beschäftigen sich Experten aus Wissenschaft und Politik im aktuellen Zeitgespräch. In einer Reihe von Szenarien nehmen sie mögliche Kosten und Investitionen, alternative Technologien und die Akzeptanz in der Bevölkerung unter die Lupe. Einhelliges Fazit: Der Industriestandort Deutschland käme auch sehr gut ohne Atomkraft aus.

Die katastrophalen Ereignisse im japanischen Atomkraftwerk Fukushima haben den deutschen Willen zum Ausstieg bekräftigt. Doch stellt die Erzeugungsleistung der Kernkraftwerke einen erheblich Teil des deutschen Gesamtstromaufkommens – folglich muss der abgeschaltete Atomstrom ersetzt werden. Kohle, Gas und erneuerbare Energien könnten die Angebotslücke schließen.
Wie aber sieht es aus mit der Klimaverträglichkeit, wenn auf einmal neue Kohlendioxid-Emittenten gebaut würden? Welche Folgen ergäben sich daraus für den europäischen Emissionshandel? Und welche Mehrkosten kämen auf den Endverbraucher zu – fragen die Zeitgespräch-Autoren Dr. Karin Holm-Müller, Professorin in an der Universität Bonn sowie Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen, und Michael Weber, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Sachverständigenrats für Umweltfragen, in ihrem Beitrag.

Atomausstieg bei gleichzeitig verbessertem Klimaschutz – überhaupt kein Problem, schreiben hingegen Dr. Peter Hennicke, ehemaliger Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, und Tobias Schleicher, wissenschaftlicher Assistenz des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie mit Verweis auf zwei Modellstudien: Selbst wenn man die externen Kosten von Atomenergie unbeachtet ließe, würden sich über einen Zeitraum von ca. 20 Jahren, die Strompreise aus erneuerbaren Energien unter den ohnehin schon “falschen Marktpreisen” des Atomstroms einpendeln. Hinzu kämen noch Dezentralisierungseffekte in der Stromerzeugung, die Abhängigkeiten und Risiken verringern und regionale Beschäftigungsimpulse auslösten.

Den direkten Vergleich zwischen den Szenarien des Atomausstieges bis 2020 und einer Laufzeitverlängerung für AKWs für den gleichen Zeitraum zieht Dr. Andreas Löschel, Professor an der Universität Heidelberg und Forschungsbereichleiter am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. In beiden Fällen sänke der Treibhausgasausstoß in vergleichbarem Maße ab, während insbesondere bei der Umstellung auf erneuerbare Energien erhebliche Mehrkosten entstünden. Inwieweit die Bevölkerung gewillt sein würde diese zu tragen, sieht Löschel recht kritisch. Gleichzeitig räumt er aber ein, dass die ökonomische Bewertung der Kernkraft kaum möglich ist. So müsse letztlich eine Gesellschaft eher in Abwägung der Risiken denn aufgrund ökonomischer Gesichtspunkte entscheiden.

Energie aus erneuerbaren Quellen ist vergleichsweise teuer – noch. Denn die Preise für endliche fossile Rohstoffe sind im Begriff weiter anzusteigen. Zu der sich daraus ergebenden, notwendigen Energiewende müssen neben mehr Ökostrom auch eine verbesserte Energieeffizienz und der Ausbau von Kraft-Wärme-Kopplung gehören. Davon ist Dr. Claudia Kemfert, Umweltabteilungsleiterin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, überzeugt. Zusätzlich würde im Zuge eines schnellen und entschlossenen Handeln eine Vielzahl von Arbeitsplätzen entstehen: Genau das passende Rezept, um bestehende Widerstände in der Bevölkerung gegen den notwendigen Ausbau von Netzen zu überwinden.

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