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General Marshall und die Zyniker unter uns

14. Juli 2011

Barry Eichengreen drängt auf Project Syndicate die EU zu einem Marshall-Plan für Griechenland. Während auf Euro-Ebene über freiwillige Schuldenschnitte fabuliert wird, wäre ein Aufbauprogramm in der Tat die dringendste Aufgabe, die sich derzeit stellt. Ein Schuldenschnitt bedeutet dagegen immer eine Vernichtung von Ressourcen. Er wäre aktuell absolut sinnlos.

Was soll ein Marshall-Plan für Athen bringen? Eichengreen schreibt dazu:

“The Greek government and donors would decide together the projects that it financed. These could range from building new solar and wind power-generating facilities, in order to turn Greece into a major energy exporter, to updating its ports to help make it a commercial hub for the eastern Mediterranean.

Foreign aid and expertise could be used to modernize the property-registration and tax-collection systems. Funds could be used for recapitalizing the banks and retiring some debt. They could help finance government support for the unemployed, indigent, and elderly, who are among the principal victims of the financial crisis.”

Gerade die Reform des Steuersystems würde das Land ernorm voranbringen, wie auch das Interview Papandreous mit der FTD zeigt.

Auch schön sind folgende Absätze bei Eichengreen:

“The cynics among us – that is to say, economists – will worry about the precedent set by a Marshall Plan for Greece. They will warn that other EU countries like Portugal will refuse to undertake more reform, retrenchment, and repayment unless they receive similar largesse.

Economists are trained to worry about this problem, known as moral hazard. But the kind of social chaos and international disrepute that Greece has suffered are a considerable disincentive to go down this path. And while there is moral-hazard risk, there is also meltdown risk. There is the danger of a complete economic, social, and political meltdown in Greece. If that meltdown is not averted, it could take down the rest of Europe.”

Und nicht zu vergessen: Kein Schuldenschnitt, egal ob freiwillig oder unfreiwillig, bringt etwas, wenn die Wirtschaft nicht wächst und somit Steuern reinkommen. Die Schuldenlast würde nach zwei Jahren wieder von 120 auf 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Wobei es auch noch andere Zweifel an einem freiwilligen Schuldenschnitt gibt, auf die Mark Schieritz bereits öfter hingewiesen hat.

Man sollte also mindestens bis 2014 warten und dann entscheiden, ob ein Schuldenschnitt notwendig ist. Die EU darf nicht voreilig ein Teil der Ressourcen (=Schulden) zerstören, die weitaus besser mit Hilfe der Gläubiger in einen Marshall-Plan angelegt werden könnten: 30 Mrd. Euro direkte Investitionen würden übrigens einem Konjunkturprogramm in Höhe von 13 Prozent des BIPs entsprechen.

Gut, die EU hätte dies bereits viel früher tun können und es wäre ein Weg, der Grundzüge von Euro-Bonds enthält. Aber es ist noch nicht zu spät. Die Gläubiger haben sich bereit erklärt, sich zu beteiligen, dann sollen sie auch. Es wäre zudem meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, wie man EZB und Bundestag/Bundesregierung aktuell noch an einen Tisch bekommt.

Sicher würden dann auch andere Länder nach Hilfen fragen. Aber ganz ehrlich: Solange die Euro-Staaten über den Rettungsfonds EFSF/ESM noch nicht für mehr als 2000 Mrd. Euro haften, mache ich mir jedenfalls keine Sorgen. Denn diese Summe entspricht 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Italiens, Spaniens, Portugals, Irlands und Griechenlands – das sollte für alle verkraftbar sein.

Auch die Gegner von Euro-Bonds und einer gemeinsamen Schuldagentur sollten gelassen reagieren. Gut 5000 Mrd. Euro wäre übrigens die magische Maastricht-Grenze, falls auch die restlichen Euro-Länder über den EFSF Hilfen bekommen (oder Schuldpapiere emittieren) würden.

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