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Lindau: Aktuelle Eindrücke aus der Verhaltensökonomie

26. August 2011

Der Homo Öconomicus war lange Zeit die wirtschaftswissenschaftliche Antwort auf die Frage nach der Natur des Menschen. Empirische Daten zeigen jedoch, dass unser Verhalten oft nicht zur Annahme der absoluten Rationalität passt. In einer Diskussionsrunde zum Thema Verhaltensökonomie sprachen in Lindau sechs Nobelpreisträger darüber, wie ökonomisches Verhalten tatsächlich funktioniert und wie sich diese Ansichten auf die Forschung auswirken.

Auch wenn keiner der Diskutanten an vollständig rationales Verhalten glaubt, gehen die Meinungen auseinander. Nachdem alle ihre Ansichten umrissen haben, kommt es zu einer hitzigen Diskussion zwischen Aumann und Selten. Dabei wirken ihre Standpunkte auf den ersten Blick gar nicht so verschieden. Beide finden, dass man nicht nur die letztendlichen Handlungen bewerten sollte, sondern auch die Art und Weise, wie ein Individuum zu seinen Entscheidungen gelangt.

Aumann hängt der Theorie der rationalen Entscheidungsregeln an. Demnach verhielten sich Menschen zwar nicht immer rational, würden ihr Verhalten aber an optimierten und somit rationalen Regeln ausrichten. “In bekannten Situationen führt dies zu optimalen Entscheidungen – auf dem Weg zur Arbeit zum Beispiel verhalten sich Menschen rational und wählen den Weg, der üblicherweise der schnellste ist.” In ungewohnten Situationen, für die noch keine Verhaltensregeln existieren, käme es hingegen zu Fehlern. Deswegen seien auch Laborexperimente kaum geeignet, um menschliches Verhalten zu untersuchen.

Im Gegensatz zu seinem Vorredner glaubt Selten, dass unser Verhalten, selbst in alltäglichen Situationen, nicht optimal sei. Er vertritt die Theorie der beschränkten Rationalität. So hätten Menschen nicht, wie in den Wirtschaftswissenschaften verbreitet angenommen, eine persönliche Nutzenfunktion, die es zu optimieren gilt – schon deswegen könne von Optimalität gar nicht die Rede sein. Stattdessen würde jeder eine Reihe verschiedener Ziele verfolgen und diese ihrer Bedeutung nach abarbeiten.

Gerade die unterschiedlichen Positionen der Preisträger machen deutlich, wie schwierig es ist, ein Raster zu finden, das menschliches Verhalten zu fassen vermag. Die Nobels appelieren an die jungen Forscher, diesen Fragen weiter nachzugehen. Sie seien nicht nur mikroökonomisch von Bedeutung sondern würden auch makroökonomischer Zusammenhänge beeinflussen.

Von Sandra Kaselow

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