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Lindau: Durch Umverteilung Armut reduzieren

26. August 2011

Noch vor etwa 30 Jahren lebten in China mehr als 90 Prozent der Menschen unterhalb der Armutsgrenze von 1,25 Dollar am Tag. Vor der Finanzkrise im Jahr 2008 waren es weniger als 20 Prozent. Wie China seine Armut so schnell reduzieren konnte und wo die Unterschiede zur Armut in Afrika liegen, erklärte der Nobelpreisträger Sir James A. Mirrless in seinem Beitrag zum Thema “Poverty, Inequality, and Food”.Wie noch heute in Afrika, lebte auch im China der 80er Jahre der größte Teil der Armen in ländlichen Gebieten. Einige konnten ihren Lebensstandard verbessern indem sie in städtische Gebiete zogen, wo die Einkommen höher sind. Der wichtigste Aspekt in der Bekämpfung der Armut sei aber das landwirtschaftliche Wachstum gewesen, sagte Mirrless. Im Zuge der grünen Revolution kamen chemische Düngemittel auf den Markt, die Erträge auf den Feldern stiegen deutlich. Und mit ihnen, unterstützt von steigenden Nahrungsmittelpreisen, auch die Einkommen der Bauern.

Wachstum in der Landwirtschaft sei für Afrika aber nicht der richtige Weg, glaubt Mirrless und verweist auf eine Besonderheit in der Agrarkultur Chinas: die Landverteilung. Nach dem Sieg der Kommunisten kam es im Jahr 1950 zu einer gravierenden Umverteilung des Landes. Reiche Großgrundbesitzer wurden enteignet und ihr Land unter den armen Bauern aufgeteilt, die plötzlich keine Pacht mehr bezahlen mussten.

“In Afrika könnten Umverteilungen eine Alternative zum Wachstum in der Landwirtschaft bilden.”, sagte Mirrless. Er denkt dabei aber nicht daran, jemanden gewaltsam zu enteignen. Anstelle von Land schlägt er vor, Geld umzuverteilen. In Brasilien und Indien bekämen bereits Millionen von Haushalten regelmäßig kleine Mengen an Geld überwiesen. So können sie in lokale Produkte investieren oder ihre Kinder zur Schule schicken. Die Armut wird reduziert.

Allerdings müsse bei solchen Maßnahmen der “Umverteilungseffekt” berücksichtigt werden. Nähme man zum Beispiel, ganz im Sinne von Robin Hood, Geld von den Reichen, um es den Armen zu geben, würde die Nachfrage der Reichen sinken. “Im Zuge dessen steigen die Nahrungsmittelpreise, was vor allem der mittleren Einkommensschicht schadet. Deswegen muss auch sie bei der Umverteilung berücksichtigt werden.” So könne man beispielsweise Steuern von den Grundbesitzern verlangen, die ja an den höheren Nahrungsmittelpreisen verdienen. “Wird der Umverteilungseffekt nicht berücksichtigt, besteht die Gefahr, dass die Verluste einer Umverteilung deren Gewinne übersteigen.”

Von Sandra Kaselow

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