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Das Millenium-Ziel vor Augen

9. September 2011

Boomt die Wirtschaft in einem Entwicklungsland, verringert sich die Armut der Bevölkerung (sog. pro-poor growth) – soweit logisch. Schaut man sich nun aber genauer an, wie sich die Armut in absoluten und relativen Zahlen verändert, ergibt sich ein differenziertes Bild. In einer gemeinsamen Studie in neun afrikanischen Ländern kommen die Autoren von der Université Laval, Quebec und der African Development Bank dabei zu zwei Ergebnissen: Ingesamt nahm die absolute Armut über eine 10jährige Betrachtungszeit ab. Aber je besser ein Land wirtschaftlich dastand, desto weiter klappte die Einkommensschere mit voranschreitender Zeit auseinander.

Sami Bibi und Jean-Ives Duclos von der Université Laval, Quebec, betrachteten gemeinsam mit Audrey Verdier-Chouchane von der African Development Bank über einen Zeitraum von 10 Jahren (1995-2005) die Auswirkung wirtschaftlichen Wachstums auf die Armutsentwicklung in neun afrikanischen Ländern. Die Zentralafrikanische Republik, Äthiopien, Malawi und Mauretanien zählten sie dabei zur Gruppe der Niedrigeinkommenländer. Dem gegenüber stellten sie mit Tunesien, Marokko, Ägypten, Mauritius und Südafrika fünf Länder mit mittlerem Durchschnittseinkommen als Vergleichsgruppe.

An ihren Ergebnissen wird deutlich, dass pro-poor growth besonders ausgeprägt in ärmeren Ländern stattfand – hier verringerte sich sowohl die absolute als auch die relative Armut gleichermaßen. In den Ländern mit mittleren Durchschnittseinkommen sank zwar die absolute Armut ebenfalls, dafür aber stieg die relative Armut an (anti-poor growth).
In den im Jahr 2000 festgesetzten Millenium-Entwicklungszielen haben sich zwar alle Mitglieder der Vereinten Nationen dazu verpflichtet, die Anzahl der Menschen, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen, zu halbieren, doch gerade an den Ländern mit mittleren Durchschnittseinkommen zeigte sich, dass fehlender politischer Wille zur Armutsbekämpfung einen entscheidender Faktor für anti-poor growth darstellt.

Das ganze Paper finden Sie unter diesem Link: Assessing Absolute and Relative Pro-Poor Growth, with an Application to Selected African Countries

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