Startseite > Out of Wirtschaftsdienst > Wirtschaftsdienst exklusiv – Fünf Prozent sind (zu) viel

Wirtschaftsdienst exklusiv – Fünf Prozent sind (zu) viel

14. September 2011

Mit bislang zwei Hilfspaketen seit 2010, beide weit jenseits von 100 Milliarden Euro, versuchen die Eurozone und der Internationale Währungsfond Griechenlands Staatsfinanzen zu stabilisieren. Schaut man nun zudem auf die benötigten Primärüberschüsse, um die Staatsverschuldungsquote in den kommenden Jahren zumindest stabil zu halten, wird laut Henning Klodt und David Bencek Griechenland trotz aller Hilfen umschulden müssen.

Wie hoch muss sich das negative staatliche Netto-Vermögen auftürmen, bis das Einschalten eines Insolvenzverwalters unausweichlich ist? Schwer zu sagen, denn wegen der diffusen Erfassbarkeit des staatlichen Gesamtvermögens sowie der Möglichkeit einer Regierung, auf die Geldmittel ihrer Bürger zuzugreifen, taugen Staatsschuld und Staatsvermögen nur wenig als Indikator für eine Staatspleite.

Viel mehr Aussagekraft hat für die Wirtschaftsdienst-Autoren David Bencek, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IWF Kiel), und Prof. Hennig Klodt, Leiter des Zentrums für Wirtschaftspolitik am IWF Kiel, die Primärüberschussquote.

Primärüberschüsse ergeben sich aus der Differenz von Staatseinnahmen und Staatsausgaben, wobei Zinsausgaben nicht zu den Staatsausgaben hinzugerechnet werden. In Relation zum BIP gesetzt, bemisst sich daraus die Primärüberschussquote. Je höher diese ausfällt, desto effektiver kann die Staatsverschuldungsquote gesenkt werden.

In einer empirischen Analyse von OECD-Daten, kommen die Autoren jedoch zu dem Ergebnis, dass lediglich vereinzelte OECD-Länder in den vergangen 30 Jahren eine Primärüberschussquote jenseits von 5%,  und damit jenseits des Schwellenwerts zur Schuldensenkung,  erreichen konnten. Bezogen auf die Zukunft zeichnen Klodt und Bencek ebenfalls ein recht düsteres Bild: Selbst in ihrer optimistischsten Schätzung müsste Griechenland dauerhaft Primärüberschussquoten von ca. 5,2% und Irland sowie Portugal immer noch Quoten jenseits von 3% erwirtschaften. Damit ist für die Autoren klar, dass an einem Schuldenschnitt für Portugal und Griechenland kein Weg vorbeiführt.

Den Text finden Sie hier

Und hier geht es zur Quelle.

About these ads
Schlagworte:
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 116 Followern an