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Wirtschaftsdienst exklusiv – Rankings – hilfreiche Kennzahlen oder Verkürzungen mit fatalen Folgen?

13. November 2011

Länder anhand nur einer Kennzahl vergleichen zu können – das ist schon ungemein praktisch. Aber mit allzu starker Verdichtung von Indikatoren gehen zwangsläufig auch Abstriche bei der Validität einher. Deswegen aber gleich alle Indikatoren abzuschaffen, halten die Autoren des aktuellen Zeitgesprächs geschlossen für falsch. Vielmehr argumentieren sie für detailliertere Betrachtungsweisen.

Ganz ohne Komplexreduktion geht es nicht, sagt Professor Ulrich van Suntum von der Universität Münster, auch wenn die Indexierung komplexer Sachverhalte immer methodische Schwachstellen aufweist. Sind jedoch Kriterien wie Repräsentativität, Objektivität und Verlässlichkeit in hinreichendem Maße erfüllt, dienen Indikatoren letztlich dazu, Öffentlichkeit herstellen, um somit eine kritische Auseinandersetzung mit den Ergebnissen zu bewirken.

Die Messung von Wohlstand hat sich in jüngster Zeit gewandelt: Das Bruttoinlandsprodukt als alleiniger Index hat ausgedient. Anja Rowher und Professor Oliver Hülsewig vom ifo Institut – Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München, legen dar, wie Rankings entstehen und welche Faktoren im Rahmen der Wohlstandsermittlung heutzutage eine Rolle spielen. Geht es aber darum, Handlungsempfehlungen abzuleiten, sind Bechmarks oder Dashboards einem Ranking klar vorzuziehen. Denn sie beleuchten auch Einzelaspekte.

Wer hat die Finanzkrise von 2008/2009 zu verantworten: Schlechte Prognosen oder fehlerhaftes Handeln der Politik? Beide, sagt Professor Ullrich Heilemann von der Universität Leipzig. Denn trotz gravierender Prognosefehler im Vorwege, hat auch die Politik während der sich bereits deutlich abzeichnenden Krise viel zu zögerlich reagiert. Dabei waren durchaus Daten verfügen, von denen auf die Finanzkrise hätte geschlossen werden können.

Möchte man die Lebenswelt genauer abbilden ist die Verknüpfung von materiellen und nicht-materiellen Indikatoren unerlässlich. „Harte“ Wirtschaftsindikatoren allein reichen nicht mehr aus, Lebensqualität und Nachhaltigkeit spielen ebenfalls eine bedeutende Rolle. Wichtig ist aber stets die Balance zwischen „Informationsgehalt“ und „statistischer Belastbarkeit“ zu finden, argumentiert Professor Christoph M. Schmidt von der Universität Bochum. Am Ende darf jedoch nicht  nur eine einzige Zahl stehen – ein Minimum an Komplexität  ist durchaus gewünscht, gerade weil subjektives Wohlbefinden und die Zukunftsperspektive von Nachhaltigkeit viele Unsicherheiten bergen.

Den Text finden Sie hier.

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