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Wirtschaftsdienst exklusiv – Zinspreads: Marktsignale an die Politik

16. November 2011

Wenn der Zinsspread sogar für solche Länder plötzlich sprunghaft ansteigt, die bis vor ein paar Monaten noch als sicherer Schuldner galten – wie beispielsweise Italien – stellt sich die Frage nach der rationalen Aussagekraft von Zinsendifferenzen bei Staatsanleihen und deren Derivate.

In der Europäischen Währungsunion (EWU) wird der Zinsspread bei Staatsanleihen, der sich aus der Risikobewertung eines Zahlungsausfalles ergibt, in Relation zum Zinssatz deutscher Staatsanleihen bemessen – diese gelten als risikolose Anlange. Hohe Zinsaufschläge zeugen also von der Annahme eines hohen Zahlungsausfallrisikos. Aber wodurch ist diese Annahme berechtigt?

Professor Lukas Menkhoff von der Universität Hannover argumentiert, dass bei ökonomischer Betrachtung ein Zinsspread stets die Verdichtung grundlegender volkswirtschaftlicher Determinanten widerspiegelt. Bei  aller Kritik an Zinsspreads als sich selbst erfüllende Erwartungen oder als Mittel unzulässiger Dominanz der Märkte über die Politik  bilden sie dennoch unzweifelhaft die realen, kumulierten Einschätzungen der Marktteilnehmer ab.

Dass diese Einschätzungen nicht immer richtig sein müssen, wird anhand der Spreadentwicklung in der Dekade zwischen Euroeinführung bis zur Finanzkrise deutlich: Fast alle Euroländer wiesen vergleichbare Zinsdifferenzen auf trotz stark divergierender volkswirtschaftlicher Kennzahlen.

Bei alledem ist die Politik jedoch nicht machtlos: Kreditzusagen an strauchelnde Euro-Länder, die Schaffung der Europäische Finanz-Stabilisierungs-Fazilität (EFSF) und zukünftig des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) sowie Anleihekäufen durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben durchaus einen Einfluss auf Zinsdifferenzen. Ob die getroffenen Maßnahmen nun tatsächlich wirkungsvoll sind, zeigt sich letztlich daran, in welche Richtung der Zinsspread sich verändert.

Den Text finden Sie hier.

Und hier geht es zur Quelle.

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