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Wirtschaftsdienst exklusiv – Dominanz der Finanzmärkte über die Politik?

16. Dezember 2011

Aktuell erscheint das Handeln der Politik häufig als bloße Reaktion auf Impulse der Kapitalmärkte. Warum sich dieses Primat kaum rational erklären lässt, welche Gefahren sich aus ihm für die Politik und insbesondere die Demokratie ergeben und welche Lösungsmöglichkeiten bereit stehen, diskutieren die Autoren des aktuellen Zeitgesprächs.

Die rationale Bewertung der Märkte von fiskalischen Daten einzelner Staaten sollte eigentlich zu einer Bestrafung von Misswirtschaft und Überschuldung führen. Soweit die Theorie. Dennoch versagte eben diese Marktdisziplin im Falle Griechenlands trotz jahrelang steigender Haushaltsdefizite völlig. Eine Erklärung dafür sieht Peter Bofinger, Professor für VWL an der Uni Würzburg und Wirtschaftsweiser, in der von Keynes geprägten „Erwartung dritten Grades“: So schätzt ein Anleger nicht nur das eigene Risiko sondern auch die Risikoerwartung der anderen Anleger ein – was in extremer Ausformung zu irrationalem Herdenverhalten führen kann. Als Lösung könnten Eurobonds fungieren, die mit einem stringenten Disziplinierungs-Mechanismus verknüpft werden für dessen Überwachung das Europäische Parlament zuständig wäre.

Das Verhältnis von nationalen Staaten zu einem globalen Finanzmarkt befindet sich einer Schieflage.  Deregulierung führte nicht, wie vermutet, zur Erfüllung der „Effizienzmarkthypothese“ sondern zu Marktversagen, impliziten Garantien und daraus resultierenden „Moral Hazards“ sowie zur Entkopplung von Finanz- und Realwirtschaft. Erschwerend hinzu kommt, dass die mikroökonomischen Ziele von Akteuren auf dem Finanzmarkt makroökonomischer Rationalität genau entgegenstehen können.  Thomas Straubhaar, Professor für VWL an der Uni Hamburg und Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI),  fordert daher gemeinsam mit Henning Vöpel, Professor an der Hamburg School of Business Administration (HSBA), eine Rückkehr der Politik zur langfristigen Regulierung der Märkte.

Mit der globalen Vernetzung von Kapitalströmen, kombiniert mit einer jahrzehntelangen „Hofierung des Kapitals“, hat sich die Demokratie erpressbar gemacht, konstatiert Ulrich Thielemann, Privatdozent an der Uni St. Gallen und Direktor des MeM – Denkfabrik für Wirtschaftsethik. Abhilfe schaffen könnte die Abkehr vom Zwang zum Wachstum sowie eine höhere Besteuerung von Kapital.

Einen Rückblick auf vorherige Staatsschuldenkrisen sowie den Lerneffekt daraus wagt Christopher Kopper, Privatdozent an der Uni Bielefeld.  Bislang haben weder Politiker noch Banker erfolgreich durchgeführte Umschuldungsprogramme für Staaten wie Indonesien oder Mexiko auf die heutigen Schulden-Krise projiziert. Zusätzlich argumentiert Kopper für die Beschränkung des spekulativen Derivatehandels zur Verringerung der hohen Volatiliät an den Anleihemärkten. So soll die Handlungsfähigkeit zur Lösung der aktuellen Staatsschuldenkrisen südeuropäischer Länder zurück gewonnen werden.

Den Text finden Sie hier.

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