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Davos 2012 – Starauflauf im Schnee

27. Januar 2012

Die Prominenten aller Länder vereinigen sich in Davos  – aber das heißt keineswegs, dass sie dort auch alle miteinander reden. Vor allem die wirtschaftspolitischen Veranstaltungen in der Haupthalle gleichen 2012 mehr denn je einer Nummernrevue. Seit der Eröffnungsrede der Kanzlerin am Mittwoch ziehen die Weltlenker der Reihe nach über die Bühne, spielen dort ihr jeweiliges Programm ab und machen dann Platz für den nächsten Top-Act. Man redet nicht miteinander, aber immerhin recht offen übereinander.

Das führt zu skurrilen Situationen. Am Freitagmorgen etwa sang ein Euroquartett aus Wolfgang Schäuble, seinen Kollegen aus Frankreich und Spanien sowie EU-Währungskommissar Olli Rehn in schönster Eintracht das Hohelied einer “Währungsunion 2.0″, die gerade im Aufbau sei. Richtig munter wurde es aber erst, als eine schwedische Europaabgeordnete aus dem Saal forderte, alle Reformen müssten gemeinschaftlich erfolgen, jede Spaltung der EU sei inakzeptabel.

Wolfgang Schäuble ließ es sich nicht nehmen, diese Frage kurz und knackig zu beantworten: Er werde der Kollegin gerne die Handynummer von David Cameron zukommen lassen.

Der Briten-Premier, der sich im Dezember aus den Plänen für den EU-Fiskalpakt ausklinkte, hatte erst tags zuvor in Davos auf derselben Bühne gestanden. Von dort allerdings die Finanztransaktionssteuer, die auch von Deutschland unterstützt wird,  als einen “Wahnsinn” bezeichnet.

Als Kronzeugen für seine Finanzpolitik führte Schäuble den US-Finanzminister Timothy Geithner an, der Deutschlands Kurs ja ausdrücklich als vorbildlich bezeichnet habe. Geithner selbst konnte dazu aber leider keine Stellung nehmen – denn er wartete noch hinter den Kulissen auf seinen Auftritt im nächsten Programmpunkt.

Eine Debatte zwischen beiden hätte richtig spannend werden können. Schließlich sieht jeder die größten Gefahren jeweils beim Anderen: Sobald die Eurokrise entschärft sei, “werden wir uns den Schuldenproblemen in anderen Teilen der Welt zuwenden, die größer sind als die in der Eurozone”, kündigte Schäuble an. Zwanzig Minuten später erläuterte Geithner von derselben Stelle aus, dass Europa (neben dem Irankonflikt) das größte Konjunkturrisiko für Amerika sei. Und dass die USA ihre Schuldenkrise deutlich leichter bewältigen können als andere Länder.

Da war Schäuble allerdings schon wieder hinter den Kulissen verschwunden.

Christian Schütte berichtet für die FTD vom Weltwirtschaftsforum in Davos.

 

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