Wirtschaftsdienst exklusiv – Länderrisiko: Die ökonomischen Konsequenzen einer Herabstufung durch die Ratingagenturen
Obwohl der Informationsgehalt der Ratings vielfach als ökonomisch irrelevant kritisiert wird, ist die Macht der US-Ratingagenturen allgegenwärtig, wie die mitunter dramatischen Konsequenzen der Down-Grades europäischer Staaten in der Vergangenheit zeigten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Will man intelligente Regulierung, braucht es mehr als die Gründung einer europäischen Agentur .
Länder Down-Grades können die Stabilität des Finanzsystems gefährden. In diesem Zusammenhang sprechen Jochen Michaelis und Benjamin Käfer in ihrer Untersuchung von einem prozyklische Multiplikatoreffekt, der auf das Sovereign-Ceiling sowie auf die Einbindung von Rating-Urteilen in die Finanzmarktregulierung inklusive der Geldpolitik zurückzuführen ist.
Dass die Herabstufung der Bonitätsnote eines Landes weitreichende ökonomische Konsequenzen haben kann, liegt mitunter am Prinzip des Sovereign Ceiling. Die Ratingagenturen nehmen die Risikoeinstufung eines Staates häufig als Obergrenze für das Rating aller im Staat ansässigen Emittenten.
Neben der Sovereign-Ceiling-Politik der Agenturen ist es der Staat, der über selbstgeschaffenen Regularien und Gesetze Transmissionsmechanismen von den Rating-Urteilen zur Realwirtschaft geschaffen hat. Bei Herabstufungen innerhalb des Investment Grades, aber auch bei einer Herabstufung zum Speculative Grade lassen sich ratinginduzierte Handlungsanweisungen finden, die Kreditinstitute ebenso wie Versicherungen und Investmentgesellschaften betreffen. Die Wirkung wird multipliziert, wenn man sich die Anpassungszwänge für die Emissionen inländischer Unternehmen und Banken im Zuge des Ceiling-Effektes vergegenwärtigt.
Die Autoren verhandeln auch den Vorwurf, die EZB habe sich in die Hände der Agenturen begeben und untersuchen die Wirkung der Rating-Urteile auf die Geldpolitik.
Den Text finden Sie hier.
Und hier geht es zur Quelle.
Out of Wirtschaftsdienst
- Wirtschaftsdienst exklusiv – Wie viel Bank braucht der Mensch? 14. Mai 2013
- Wirtschaftsdienst exklusiv – Warum der deutsche Anleger anders ist 14. Mai 2013
- Wirtschaftsdienst exklusiv – 17. April 2013
Wirtschaftswunder mobil
- INET 2012 – Junge Denker 15. April 2012
- INET 2012 – Germany under attack 14. April 2012
- INET 2012 – Neue Töne aus der Festung der Orthodoxie 13. April 2012
Top Artikel & Seiten
- David Milleker - Lehren aus der deutschen Krise 2003/04
- Wirtschaftsdienst exklusiv - Wie viel Bank braucht der Mensch?
- Deutschland mogelt sich an EU-Rüffel vorbei – wieder einmal
- Wirtschaftsdienst exklusiv - Warum der deutsche Anleger anders ist
- Fabian Fritzsche - Euroaustritt als Alternative für Deutschland?
- Die Lehren aus der US-Rezession von 1990
- Anatomie eines Umfrage-Desasters - oder: Wie geschätzt 40-50 Leutchen deutsche Politik steuern
- Die dreiste Hobbyökonomin
- Bissspuren statt Dividendeninjektion - die Crux von Indizes wie DAX, Euro Stoxx & Co.
- Buchvorstellung: Fred Pearce: Land Grabbing - Der globale Kampf um Grund und Boden (2012)



