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Die Apple-Aktie – jetzt wird’s so langsam wirklich spaßig

10. Februar 2012

Ein bisschen Getratsche über den Erscheinungstermins des neuen Ipad 3 Tablet-PCs (kommt nun wahrscheinlich im März) hat der Apple-Aktie am Donnerstag zu einem Kursplus von 3,4 Prozent verholfen. OK: 3,4 Prozent, das reicht den meisten Sparern derzeit auf’s Jahr. Bei einem Konzern, der sich anschickt, bald einen Börsenwert von 500 Mrd. Dollar auf die Waage zu bringen, werden die Zahlen nunmehr allerdings wahrhaft amüsant.

Nehmen wir alleine den gestrigen Donnerstag als Momentaufnahme, so

  • Hat das Kursplus von 3,4 Prozent den Börsenwert von Apple um 15,4 Mrd. Dollar oder umgerechnet 11,7 Mrd. Euro steigen lassen. Knapp zwölf Milliarden Euro binnen ein paar Stunden. Zack. Das entspricht ziemlich genau dem kompletten Börsenwert von ThyssenKrupp (11,7 Mrd. Euro!), annähernd der gesamten Börsenkapitalisierung des von Apple zerschmetterten Nokia-Konzerns (14,4 Mrd. Euro) und der etwa zweieinhalbfachen von Lufthansa (5 Mrd. Euro)
  • wechselten alleine in New York binnen der sechseinhalb Handelsstunden Apple-Aktien im Gesamtwert von 15,5 Mrd. Dollar oder umgerechnet 11,7  Mrd. Euro den Besitzer. Ich habe hier gleich fünfmal nachgerechnet und nachgelesen, aber das heißt tatsächlich, dass der Umsatz alleine mit Apple-Aktien am Donnerstag annähernd dreimal so hoch war wie mit allen 30 DAX-Aktien zusammen (4,4 Mrd. Euro). Und das lag keineswegs nur daran, dass Apple besonders rege gehandelt wurde, nimmt man etwa den Durchschnitt des Monats Januar, so wechseln täglich Apple-Aktien im Gesamtwert von umgerechnet rund 4,2 Mrd. Euro den Besitzer, in allen 30 Dax-Titeln Aktien im Wert von 3,5 Mrd. Euro
  • schickt sich Apple an, als erstes Unternehmen überhaupt die Marke von 500 Mrd. Dollar Börsenwert zu knacken. Es fehlen noch rund 40 Mrd. Dollar, und den Vorsprung als nach Börsenwert größtes Unternehmen der Welt baut der Konzern auf Exxon beständig aus
  • sitzt Apple auf einem Berg an Bargeld von 97,8 Mrd. Dollar.  Diese abstrakte Summe übersteigt angesichts der in Sachen Rettungspakete kursierenden Summen das Vorstellungsvermögen vieler Anleger, daher zwei kleine Stützen: Der Güterzug, der nötig wäre, um diese 97,8 Mrd. Dollar physisch in 20-Dollar-Scheinen zu transportieren, wäre 1,1 Kilometer lang. Und gelingt es Apple, sein Geld zu drei Prozent Zinsen anzulegen,  springen dabei immerhin acht Millionen Dollar Zinsen herum. Pro Tag.

Hinschauen lohnt sich, hier wird gerade Börsengeschichte geschrieben.

Das wirklich lustige ist allerdings, dass man die Apple-Aktie drehen und wenden kann wie man will – fundamental ist sie alles andere als teuer. Die Bewertung entspricht nur dem 14-fachen Jahresgewinn. Das ist selbst dann nicht viel, wenn Analysten die weitere Gewinndynamik (erwartet werden derzeit rund 20 Prozent pro Jahr) überschätzen. Diese moderate Bewertung ist ein Ergebnis der Tatsache, dass man die Aktie intuitiv nach einer Vervierzigfachung seit 2003 – damals hatte der iPod seinen Durchbruch, falls den noch jemand kennt –  für absturzgefährdet hält. Und natürlich, weil die aktuelle Anlegergeneration beim Crash 2000 genetisch einprogrammiert bekommen hat, mit Technologieaktien bloß vorsichtig zu sein. Man kann das gut erkennen an dem rituellen “Blase, Blase, Blase!”-Geschrei rund um den Facebook-Börsengang, den Thomas Knüwer hier wunderbar seziert hat.  Die Gewinne von Apple steigen aber schon eine Weile stärker als die Aktie, und auch der Druck auf die Traummargen will sich, obschon quartalsweise aufs Neue vorhergesagt, einfach nicht einstellen.

Dass die Aktie auf ihrem Weg nach oben auf knapp 500 Mrd. Dollar Börsenwert auch nie richtig überteuert war, zeigt sich auch am Kursverlauf: Klassische Wachstumsaktien, die eine hohe Gewinndynamik aufweisen, aber auch hoch bewertet sind – sagen wir also: ihre Gewinne um 40 Prozent pro Jahr steigern, aber auch mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 40 bewertet sind – müssen immer wieder kräftige Schwinger hinnehmen, die ihren Kurs bei aufkommenden Zweifeln am Wachstum schnell 30 oder 40 Prozent einbrechen lässt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aktie der Kaffeehauskette Starbucks. Deren Kursverlauf sieht man ex Post nur noch schemenhaft an, dass es seit ihrem Weg von splitbereinigt 1,50 Dollar Mitte der 90er Jahre auf heute 49 Dollar gewiss ein Dutzend Mal Einbrüche zwischen 25 und in der Spitze über 50 Prozent hinnehmen musste, je nach dem, ob man dem Röster gerade 25 oder doch nur 15 Prozent Gewinnwachstum pro Jahr zutraute.

Ganz anders Apple. Seit der kometenhafte Aufstieg des Konzerns an der Börse 2003 begann, ist ein einziger wirklich großer Rücksetzer zu sehen: Der der Finanzkrise zwischen Sommer 2007 und Januar 2009, der allerdings auch den kompletten Aktienmarkt erfasst hatte. Denn größere Rücksetzer kann es nur geben, wenn Investoren sich bei der erwarteten Wachstumsdynamik verschätzt haben. Das haben sie aber bei Apple nie getan.

Zudem ist die Apple-Aktie auch, trotz des deutlich gestiegenen Kurses und Börsenwerts, kein Ziel von Attacken für Leerverkäufer. Die stürzen sich üblicherweise auf luftig bewertete Börsenhighflyer, weil sie fest damit rechnen können, dass deren Investoren die Nerven verlieren, wenn Zweifel am Gewinnwachstum aufkeimt. Bei Apple sind aber gerade mal ein Prozent aller Aktien leer verkauft, wie Daten von Thomson Reuters zeigen.

Natürlich weiß dennoch niemand, wie viel Gewinn Apple in – sagen wir, fünf Jahren – erwirtschaften wird und ob dann ein Börsenwert von knapp 500 Mrd. Dollar nach wie vor gerechtfertigt sein wird. Man kann sich der Aktie eigentlich nur noch taktisch nähern, zumal es eine Riesenportion Mumm braucht, jetzt noch einzusteigen oder an Apple-Aktien festzuhalten. Dass demnächst allerdings mit Facebook ein Technologiekonzern an die Börse gewuchtet wird, der dann mit dem 75- bis 100fachen des Jahresgewinns und einem hohen zweistelligen Milliardenbetrag bewertet sein wird, sind gute Nachrichten für Aktionäre von Apple. Und auch von Microsoft  und Google. Denn die sind allesamt alles andere als hoch bewertet (darüber lesen Sie übrigens mehr in der kommenden Ausgabe von CAPITAL, die am 16. Februar erscheinen wird), und der Facebook-Börsengang könnte der “Auslöser” sein, dass dies bald mehr Anlegern auffällt.

(Disclosure: Ich halte keine Apple-Aktien und plane auch keine zu kaufen. Allerdings besitze ich einen Riester-Fondssparplan, in dem meine monatlichen Beiträge zu 100% in den Uniglobal investiert werden. Dessen Anteilspreis notiert derzeit zu meiner Freude nur noch ein paar Cent unter dem Rekordhoch – während Dax, Dow, Nasdaq und Co. noch ein gutes Stück zu alten Höchstmarken fehlt. Diese Performance verdankt der Fonds unter anderem der mutigen Entscheidung von Fondsmanager André Köttner, an Apple-Aktien festzuhalten, die schon eine ganze Weile größte Position im Fonds sind – flankiert im übrigen von Microsoft und Google derzeit. Chapeau an dieser Stelle!) 

(Dank an Jens S. für die Inspiration)

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  1. 11. Februar 2012 um 12:53

    Apple ist auch gerade (auch wenn ich mir nicht sicher bin, wer die Anzahl der Aktien richtig zählt) möglicherweise mehr wert als Microsoft und Google zusammen …

    http://egghat.tumblr.com/post/17329936309/apple-mehr-wert-als-google-microsoft-zusammen

    Der Knackpunkt bei Apple ist sicherlich die Marge. Wie lange sich diese halten lässt, wird die entscheidende Frage. Vor allem bei iPhone ist die Marge bei 50% (oder so, genau weist Apple das ja nicht aus). Das ist für Hardware extrem hoch. Selbst die Produkte mit niedrigen Margen (iPad, Macs) liegen noch deutlich über den Margen der Konkurrenz. Letztere halte ich aber für langfristig stabil, beim iPhone kann ich mir nicht vorstellen, dass die Marge auf ewig so hält …

  1. 10. Februar 2012 um 15:18
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