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MarktWirtschaft: Mutige bitte vortreten bei Bankaktien!

15. Februar 2012

Machen wir es kurz: Man brauch schon einen Hintern in der Hose, um als Fondsmanager im aktuellen Börsenumfeld Aktien europäischer Großbanken zu kaufen oder zu halten. Schärfere Regulierung im Nacken, milliardenschwere Refinanzierungssorgen vor der Brust, PIIGS-Anleihen in Milliardenhöhe im Bauch – die Liste der Probleme ist lang, die Kursentwicklung in den letzten zwölf Monaten desaströs, die Stimmung katastrophal. Vor allem aber ist ein solcher Schritt stark erklärungsbedürftig vor Investoren und Vorgesetzten. Dennoch gibt es Manager, die an ein Comeback der Banktitel glauben. Es sind – kaum verwunderlich – vor allem unabhängige Verwalter, keine Vertreter großer Häuser.

Wir haben mal nachgesehen, wer die Wette wagt.

Stark gefallene Aktienkurse in Verbindung mit bekannten “Namen” üben einen starken Reiz auf viele Spekulanten aus. Im Falle der europäischen Bankaktien hatte der Griff ins fallende Messer in den letzten Jahren allerdings tiefe Schnittwunden zur Folge. Seit Mitte 2007 verlor der europäische Bankaktienindex Euro Stoxx Banks drei Viertel an Wert, die Deutsche Bank-Aktie rund zwei Drittel, die Commerzbank-Aktie 93 Prozent. Relativ sieht daher die Deutsche Bank so sogar ganz adrett aus, absolut steht sie auf dem gleichen Kursniveau wie schon Mitte der 90er Jahre.

Was aus vielen üblen Charts indes nicht einmal hervor geht, ist die  schmerzhafte Verwässerung des Anteilsbesitzes aufgrund von Kapitalerhöhungen der Banken. Wer vor fünf Jahren die Deutsche Bank oder Commerzbank gekauft hat und seitdem kein Geld nachgeschossen hat bei den Kapitalmaßnahmen, besitzt heute weniger an den Instituten als vorher, weil sich die Zahl der Aktien erhöht hat. Die Commerzbank hatte zum Beispiel Mitte 2007 657 Millionen Aktien im Umlauf. Heute sind es 5,1 Milliarden. Wem also Mitte 2007 ein Prozent an der Commerzbank besaß und alle Kapitalmaßnahmen ignoriert hat, sitzt heute nur noch auf einem Anteil von 0,128 Prozent. Mahlzeit.

Ist jetzt Schluss mit der Verwässerung und dem Kursverfall? Oder sehen wir nur nur ein kurzes Zucken? Seit Ende November zog der Branchenindex Euro Stoxx Banks  jedenfalls wieder um 35 Prozent an, was allerdings im Langfristchart kaum zu erkennen ist und mit der extrem üppigen Geldversorgung der Banken durch die EZB zum Festzins über drei Jahre und in zwei Tranchen zu erklären ist. Die hatte die EZB Anfang Dezember bekannt gegeben.  

Die meisten Fondsmanager allerdings wollen mit dem Sektor weiter wenig zu tun haben. Laut der der am Mittwoch veröffentlichten monatlichen Fondsmanagerumfrage der Bank of America / Merrill Lynch unter 277 Fondsgesellschaften mit knapp 800 Mrd. Dollar verwaltetem Vermögen haben noch immer netto zwölf Prozent der europäischen Fondsmanager Bankaktien untergewichtet. Im Januar waren es allerdings noch 50 Prozent.  Weltweit haben netto 30 Prozent der Manager Banken untergewichtet, nur Versorger sind noch unpopulärer (netto heißt hier übrigens: Die Zahl der Fondsmanager, die den Sektor übergewichtet hat, wird von zu der Zahl der Fondsmanager, die ihn untergewichtet hat, nochmals abgezogen. Möglicherweise haben ihn also 40 Prozent untergewichtet und 10 Prozent übergewichtet und die restlichen 50 Prozents segeln neutral, oder aber die Verteilung ist 60 unter /30 über /10 neutral, was jeweils zu “netto 30 Prozent Untergewichtung” führt….).

Es gibt allerdings auch Manager, die aggressiv auf Banken setzen. Etwa die Frankfurter Fondsmanager von FPM, Martin Wirth und Manfred Piontke. 28,8 Prozent ihres FPM Funds Stockpicker Germany Large Cap sind per Ende Januar in Finanzwerten investiert. Die drei größten Titel des Fonds sind die Commerzbank (7 Prozent Gewichtung), die Allianz (6,9 Prozent) und die Deutsche Bank (6,6 Prozent). Der Fonds ist mit 7 Mio. Euro Fondsvermögen klein, bestach aber zuletzt mit guten Leistungen.

Ebenfalls an eine Comeback der Banken glaubt der französische Fondsmanager Marc Renaud. Rund 22 Prozent hat er mit seinem rund 800 Mio. Euro schweren Fonds Mandarine Valeur in Banken investiert, also rund acht Prozent mehr, als es sein Vergleichsindex, der paneuropäische Stoxx 600, vorsieht. In den Top 10 seines Fonds sind derzeit unter anderem BNP Paribas, die schwedische SEB und Intesa Sanpaolo vertreten, auch Versicherungen sind, nebenbei bemerkt, deutlich übergewichtet; hier greift er zu Axa und der Allianz.

Ich traf Renaud vor vier Wochen (und somit bevor die Bankaktien ihren kräftigen Satz nach oben gemacht haben) und sprach mit ihm über seine Positionen, und er wirkte ein wenig zerknirscht, denn vom Comeback der Bankwerte ist er bereits länger überzeugt  – und zwar seit letztem Sommer schon. Seine Kaufargumente seien aber unverändert gültig: Die Banken müssten sich alsbald wieder ihrem Buchwert annähern und seien zu Kursen von Teils einem Drittel ihres Buchwerts vollkommen unterbewertet, selbst wenn man den noch nach unten korrigieren müsse; selbst blitzsaubere skandinavische Banken seien ungerechtfertigterweise in den Sog der Schuldenkrise gezogen worden; und unter dem Strich brächte jede Krise auch eine Hand voll Gewinner hervor, die übrig blieben.  

Die Überzeugung kostete ihn einiges an “Performance”, wie man so schön anglizistisch sagt, und obendrein auch ein paar Kundengelder, denn zunächst ging es seit Aufbau seiner Positionen in Finanzwerten kräftig bergab. Renaud gehört allerdings zur selten gewordenen Spezies der “Contrarian Value”-Investoren: Sie greifen auch mal zu, wenn sie ein Schnäppchen wittern, selbst wenn die Blamagegefahr kurzfristig groß ist. Und vor allem: Halten dann auch durch, wenn sie von der Position überzeugt sind. Solche Fondsmanager finden sich in großen deutschen Häusern selten, solch eine Strategie schafft es dort durch keinen Anlageausschuss und nicht über den Schreibtisch der Chefs, zu groß ist die Angst vor Verlusten und irritierten Kunden und natürlich auch der keifernden Presse.

Nicht ganz zu Unrecht: 2008 ging so für Renauds Mandarine Valeur um 53,5 Prozent abwärts, 2011 um 20,1 Prozent, beide Male waren die Verluste deutlich größer als im Index Stoxx 600, allerdings wurden Investoren durch kräftige und stark überdurchschnittliche Zugewinne 2009 und nun auch wieder 2012 seit Jahresbeginn für Nervenstärke mit dem Fonds belohnt. Auf Dreijahressicht liegt der Fonds 17 Prozentpunkte mehr zu als der Stoxx 600, seit Auflage 2007 ist er durch einen Fehlstart noch etwas schlechter unterwegs.

Etwas überrascht war ich bei der Durchsicht der größten Positionen in bekannten Fonds auch, dass Altmeister Dr. Jens Ehrhardt der Deutschen-Bank-Aktie offenbar einiges zutraut. 2,6 Prozent seines FMM-Fonds sind in die Aktie investiert, damit ist das die sechstgrößte Position seines Fonds, was um so erstaunlicher ist, als dass sich der Fonds am Weltaktienindex MSCI World orientiert. Finanzwerte sind im FMM-Fonds jedenfalls der am höchsten gewichtete Sektor, das gilt auch für den von seinem Sohn verwalteten DJE Dividende & Substanz. Hier muss es in den vergangenen Monaten kräftige Zukäufe gegeben haben, denn per 30.6.2011 hatte der Fonds nur rund die Hälfte seiner derzeit 13,4 Prozent in Finanzwerte investiert, dabei zeichnete sich allerdings eher ein Vorzug für Versicherer denn Banken ab.  

(Disclosure: Ich halte Positionen in einem Euro Stoxx Banks Indexfonds im Wert von rund 1300 Euro, aber keine in den anderen in diesem Beitrag genannten Fonds und Aktien)

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