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[MarktWirtschaft] Eine Renditerakete namens BASF

24. Februar 2012

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF hat heute früh sehr starke Zahlen vorgelegt und erhöht die Dividende. Dass es sich dabei keineswegs nur um eine Momentaufnahme  handelt, zeigt eine Langfristbetrachtung über 20 Jahre: Keine andere DAX-Aktie hat Investoren in diesem Zeitraum mehr Rendite gebracht als BASF – und das, obwohl das Papier lange Zeit als Zykliker galt, mit dem man nur Geld verdienen kann, wenn man in einer Rezession kauft und im Boom verkauft. Geduldige Anleger wurden seit 1990 mit einer sagenhaften Verneunzehnfachung ihres Kapitals belohnt.

Üblicherweise suchen Finanzjournalisten gerne das Haar in der Suppe, wenn ein Konzern Zahlen vorlegt. Bei BASF wird das heute schwierig, denn der Konzern legte nicht nur einen Rekordgewinn für 2011 vor (plus 36 Prozent auf 6,2 Mrd. Euro) und hob die Dividende von 2,20 auf 2,50 Euro je Aktie an, sondern äußerste sich sehr optimistisch für 2012 (dann sollte ein weiterer Gewinnanstieg drin sein) und – festhalten – 2013. So etwas überrascht in Zeiten, in denen sich Konzerne gerne hinter die Unbillen von drohender Rezession und Schuldenkrise wegducken, wenn es um einen Ausblick geht.

Ein Blick auf BASF lohnt aber auch aus einem anderen Grund: Der Konzern ist eine Shareholder-Value-Maschine, die im DAX in den letzten zwei Jahrzehnten ihresgleichen sucht. Hier lohnt näheres Hinsehen auch für Anleger, die ansonsten nicht so gerne lesen, wie sie hätten reich werden können (dazu zähle ich übrigens auch ;-): Seit Anfang 1990 (hier setzt die Datenverfügbarkeit von Thomson Reuters ein) hat die BASF-Aktie für Investoren bei Wiederanlage der Bruttodividenden mit 14,1 Prozent pro Jahr rentiert. Das heißt, dass Anleger ihr Kapital annähernd verneunzehnfachen (!) konnten. Wer die Dividenden verjubelt hat, kommt immer noch auf  10,1 Prozent pro Jahr.

Mit diesem Zugewinn kann kein anderer aktuell im DAX vertretener Konzern mithalten, mehr Rendite brachten lediglich noch K+S sowie SAP ein. Beide waren allerdings 1990 noch kaum bekannte Nebenwerte und rückten erst 1995 (SAP)  bzw. 2008 (K+S) in den DAX auf.

Ein kleiner Vergleich: Seit Anfang 1990 brachte der DAX Anlegern 6,3 Prozent pro Jahr ein, die Deutsche Bank sparbuchgleiche, aber unterwegs nervenaufreibende 1,7 Prozent pro Jahr, die Allianz schlappe zwei Prozent, die Lufthansa 2,8 Prozent, Thyssenkrupp 5,3 Prozent und Siemens immerhin 7,6 Prozent – jeweils inklusive Dividenden.   

Die Rendite der BASF-Aktie adelt nicht nur das Management der BASF in den vergangenen zwei Dekaden. Es lehrt auch zweierlei: Erstens, dass der Einstiegszeitpunkt bei gut geführten Unternehmen auf Dauer kaum eine Rolle spielt. Denn zu Beginn dieser Renditebetrachtung  im Januar 1990 schwomm ganz Deutschland inklusive der Börsen noch auf einer Euphoriewelle rund um die nahende Deutsche Einheit, und bis Jahresende 1990 sollte die BASF-Aktie noch mal um knapp 40 Prozent einbrechen (und wer dann zugriff, konnte sein Geld ver28-fachen, aber lassen wir das). Schon nach fünf Jahren spielte das aber überhaupt keine Rolle mehr für jemanden, der im Januar 1990 eingestiegen ist.

Zweitens zeigt dieser Verlauf, dass sich Anleger von alten Rollenbildern bei Aktien lösen sollten. BASF galt jahrelang als zyklische Aktie par excellence, die in Rezessionen böse abstürzt und sich anschließend stark erholt, weshalb sich viele Investoren daran versucht haben, genau solche Wellen zu reiten. “Kaufe immer die billigste Farbe” war so eine typische 80er-Jahre-Börsenfloskel, nach der man im Zweifel immer jene (Ex-IG-Farben) Chemieaktie Bayer, BASF oder Hoechst kaufen sollte, deren Kurs nominal am tiefsten steht und dann einfach abwarten muss und in der Erholung wieder verkaufen.

Ein Zykliker ist BASF trotz aller Umstrukturierungen des Geschäfts zwar immer noch, seit einer Weile schon determiniert vor allem der Ölpreis die Gewinn- und somit auch die Kursentwicklung. Aber eben einer, bei dem es als Globalisierungsprofiteur und Marktführer unter starken Schwankungen unterm Strich so stramm nach oben geht wie bei keinem anderen DAX-Wert. Die Managementleistung sollte die Volatilität auch nicht schmälern, lag der Konzern doch mit seiner Strategie goldrichtig, aus der Not der Rohstoffabhängigkeit als Chemiekonzern eine Tugend zu machen und mitzuverdienen.

 

 

(Disclosure: Ich halte keine BASF-Aktien)

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