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[MarktWirtschaft] Keine Angst um die 700-Mrd-TARGET-Forderung der Bundesbank

6. März 2012

Vergangene Woche wurde viel darüber diskutiert über diesen Brief, den Bundesbankchef Jens Weidmann an EZB-Präsident Mario Draghi geschickt hat. Einige vermuten nun, dass die Bundesbank auf die Position von Hans-Werner Sinn umgeschwenkt sei, der in den Target-Salden ein eigenständiges Risiko sieht, was allerdings nicht stimmt. Zur Erinnerung, die Notenbanken im Euro-System haben aktuell nach dem jüngsten Drei-Jahres-Tender knapp 1200 Mrd. Euro an Euro-Darlehen den Banken ausgereicht – hier liegen die Risiken des Euro-Systems, nicht in den Target-Salden.

Die Forderungen sind besichert durch Wertpapiere und Kredite der Banken. Diese müssten die Notenbanken verwerten, sollten sie auf Verlusten sitzen bleiben, falls einmal eine Bank pleite geht. Die Target-Salden stellen nur die parallele grenzüberschreitende Verbuchung im Zahlungssystem da. Theoretisch können alle Target-Forderungen zusammen in den nächsten Tagen und Wochen ungefähr sich von rund 900 Mrd. Euro Ende 2011 auf diese 1200 Mrd. Euro zu bewegen. Dann dürfte die Bundesbank irgendwo bei einer Forderungssumme von 700 Mrd. Euro landen – wenn die Verteilung so bleibt, wie es sie Ende Januar gegeben hatte.

Was passiert nun mit den 700 Mrd. Euro – falls der Euro irgendwann zusammenbrechen sollte. Müssen wir uns fürchten, dass die Bundesbank einen entsprechenden Verlust verbuchen müsste. Interessant sind dabei folgende Aussagen von Karl Whelan, einem irischen Wirtschaftsprofessor, die nahe legen, dass dem nicht so ist (h/t Olaf Storbeck via Twitter):

Thus, the most likely resolution of Target imbalances in the case of a full Euro breakup would be a pooling of assets held by Target2 debtors to be handed over to Target2 creditors to settle the balance. This may leave the Bundesbank holding a set of peripheral-originated assets that may be worth less that face value but this scenario would result in losses to the Bundesbank that would be far short of the current value of its Target2 credit.

Falls die Bundesbank auf ihre Forderungen doch sitzen bleiben sollte, also auf Buchforderungen nach Zentralbankgeld im Zahlungssystem, kann sie immer noch über Gelddrucken die Forderungen “herausbuchen”, ohne dass die umlaufende Geldmenge erhöht wird, die irgendwie für die Inflation gefährlich werden könnte:

In a post-euro world, the Bundesbank would be one of a select number of central banks that could be counted on to print a currency likely to retain its value. Weidmann could write himself a cheque, stick it in the vaults and declare the Bundesbank to be solvent without any need to call on the German taxpayer.

Schwer anzunehmen, dass die Bundesbank tatsächlich auf die Position von Sinn umgeschwenkt sein soll. Deutschland und der Euro-Raum dürften ganz andere und viel größer Probleme bekommen, wenn der Euro zusammenbrechen sollte.

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  1. Bernd Klehn
    7. März 2012 um 11:40 | #1

    Sievert, Schieritz, Bindsiel, Storbeck, die Bundesbank, die EZB und Sie diskutieren in der Target2-Debatte immer die Ebene der Geschäftsbanken und deren Liquiditätsversorgung nicht aber auf der Ebene der Volkswirtschaften, die das Eurosystem bilden und welches von den Eurosystemmitgliedern stabil gehalten werden muss. Hier versagt das Eurosystem auf der ganzen Line, es organisiert via Target2, ELAs und Langzeittender seinen eigenen Untergang. Nicht die Pleite von einigen Geschäftsbanken steht im Vordergrund, sondern in dem das Eurosystem Kapitalflucht und Bilanzungleichgewichte fördert und manifestiert, die Pleite von Volkswirtschaften und die Sprengung des Systems, das deren Mitglieder eigentlich fördern und schützen sollten.

  2. 7. März 2012 um 00:11 | #2

    Vollständige Dokumentation der TARGET2-Diskussion in dieser Linksammlung: http://www.robertmwuner.de/materialien_euro_literatur_target2.html

  3. 6. März 2012 um 12:48 | #3

    Das sind zwei unabhängige Punkte, die verschiedene Risiken ansprechen. Beide haben ihre Daseinsberechtigung. Wären die Sicherheitenanforderungen höher, wären die Target-Salden kleiner. Damit wäre das Exposure kleiner aber im Ernstfall immer noch im Feuer.

    Das Weidmann die Target-Besicherung nicht offen einfordert ist politisch verständlich, denn das hieße direkt: “Ich traue Euch nicht über den Weg”. Das zu “prüfen” ist das Maximum was derzeit drin ist.

  4. André Kühnlenz
    6. März 2012 um 12:38 | #4

    Wie man so hört, will die Bundesbank aber gar nicht, dass die Sicherheiten bei der EZB gepoolt werden oder irgendwie getilgt werden, wie es sich Hans-Werner Sinn vorstellt. Dies soll in dem Brief auch nicht als Forderung der Bundesbank drin gestanden haben, sondern nur als eine zu prüfende Variante.

    Was die Bundesbank will: Die Sicherheitsanforderungen sollen wieder gestrafft werden. Dabei geht es aber um die Risiken und berechtigte Sorgen aus der großzügigen Liquiditätsversorgung der Banken, nicht um TARGET2.

    • 6. März 2012 um 13:10 | #5

      Laut FT wollte schon Sicherheiten für Target.

      • André Kühnlenz
        6. März 2012 um 14:24 | #6

        Ich denke, Münchau gibt nur den Stand wieder, der in der FAZ stand. Ich glaub nicht, dass er den Brief wirklich kennt. Aber ich kenne ihn natürlich auch nicht…

      • André Kühnlenz
        6. März 2012 um 15:12 | #7

        Wie Olaf hier http://tinyurl.com/6r47y3z richtig schreibt, bedarf es dringend einer Klarstellung durch Weidmann. Nächste Woche ist Bilanzpressekonferenz der Bundesbank.

  5. 6. März 2012 um 12:30 | #8

    Das Restrisiko des Target-Systems ist es, dass sich die griechische Zentralbank seine Sicherheiten nicht rausrückt oder die griechische Regierung dies verbietet. Siehe auch:

    http://verlorenegeneration.de/2012/03/04/das-gold-von-athen/

    Ich kann nicht beurteilen, wie wahrscheinlich das ist. Jedenfalls ist die Wahrscheinlichkeit größer als Null und angesichts der Summen kann ich die Sorgen Weidmanns verstehen und auch seinen Ansatz die Sicherheiten doch schon jetzt unter den Zugriff der EZB zu stellen.

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