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[MarktWirtschaft] Verkraftbare CDS-Risiken in Europa

10. März 2012

Lange galten sie den Regierungen und selbst den Banken im Euro-Raum als größter Unsicherheitsfaktor eines erzwungenen Schuldenerlasses in Griechenland: die Risiken, die aus den Kreditausfallderivaten (den Credit Default Swaps, CDS) entstehen können. Bis zum Sommer hatte niemand einen Überblick, wie viel die einzelnen Institute davon abgeschlossen hatten. Das hat sich aber längst geändert.

Sorgen bereitete lange Zeit, dass weder bekannt war, was auf der positiven Seite steht, wenn Banken Absicherungsschutz erworben haben (Protection Buyer) noch dass bekannt war, was auf der negativen Seite steht, wenn Banken Schutz bieten (Protection Seller) und was jene im Fall des jetzt eingetretenen Kreditereignisses maximal zahlen müssen. Noch zu gut erinnerten sich viele daran, wie sich der Versicherungskonzern AIG damit verzockt hat, indem er zu einseitig Schutz auf schrottige Immobiliendarlehen (Subprime) verkauft hatte. Und so fürchteten viele in der Finanzbranche, dass ähnlich wie bei AIG nun wieder ein Finanzkonzern in Wanken geraten könnte.

Das hat sich aber seit Dezember geändert. Damals wurden die Stresstest-Daten der europäischen Bankenaufsicht (EBA) zum 30.09.2011 veröffentlicht. Und sie zeigen, dass sich die großen Player unter den Banken sehr gut mit Gegengeschäften abgesichert haben. Zwar verkaufte die Deutsche Bank bis dahin CDS-Schutz für 4,420 Mrd. Euro, gleichzeitig erwarb sie jedoch CDS-Schutz für 4,324 Mrd. Euro. Macht netto eine Risikoposition von nur 96 Mio. Euro.

Und wer weiß, welchen Schnitt die Deutsche Bank daraus erzielt hat, dass sie Unterschiede in den CDS-Prämien ausgenutzt hat – so wie wahrscheinlich etliche Hedgefonds. Denn wer zum Beispiel CDS-Schutz für 100 Basispunkte (1 Prozentpunkt) gekauft und für 200 Basispunkte (2 Prozentpunkte) verkauft hat, kann aus der Differenz einen schönen Gewinn erzielen.

Denn in diesem Beispiel zahlt die Bank bis zum Kreditereignis zwar quartalsweise Gebühren, die 1 Prozent der absicherten Summe im Jahr ausmachen, gleichzeitig bekommt die Bank jedoch eine Summe von 2 Prozent als Absicherungsgebühr ausgezahlt. Macht eine Marge von 1 Prozentpunkt im Jahr – wäre allein bei der Deutschen Bank ein Gewinn von rund 40 Mio. Euro oder entsprechend mehr, wenn die Marge noch größer ausfällt.

Ohne die griechischen Banken und die staatlichen Bad Banks (die keine Kreditinstitute sind) müssen Banken in Europa unterm Strich maximal 1,140 Mrd. Euro nun für die ausgefallenen Anleihen aus Griechenland zahlen – das dürfte verkraftbar sein. Andere Häuser, die sich abgesichert hatten,  bekommen maximal 0,596 Mrd. Euro ausgezahlt – egal ob sie die Anleihen besitzen oder nicht.  Der Derivateverband ISDA muss jetzt noch am 19. März bestimmen, wie hoch der Restwert aus den Anleihen ist. Danach richtet sich, wie viel der versicherten Maximalsumme tatsächlich ausgezahlt wird.

Hier die Übersicht für die europäischen Banken aus dem Stresstest (zum Vergrößern auf das Bild klicken):

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  1. 11. März 2012 um 11:53

    Kompliment, wie immer schön recherchiert. Aber: Ist nicht auch entscheidend, wer jeweils Käufer und Verkäufer ist? Nur ein saldieren gibt das Risiko zB bei Ausfall von 2 Instituten doch nicht wieder, oder?

    • André Kühnlenz
      11. März 2012 um 19:49

      Vielen Dank. Und ja, ein Restrisiko bleibt natürlich: Wenn eine oder mehrere Banken als Dominostein in der Kette ausfallen, kann das eine hässliche Reaktion auslösen. Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass die Banken genügend Zeit hatten, sich darauf vorzubereiten, um vorübergehenden Liquiditätsengpässen vorzugbeugen.

      Die Kreditinstitute haben immerhin netto rund 500 Mrd. Euro von der EZB seit Dezember bekommen. Schwer vorstellbar, dass es Banken gibt, die sich nicht wenigstens auf dem Weg einen Puffer aufgebaut haben. Dabei dürfte auch nicht zählen, dass es eventuell Banken gibt, die nicht genügend Sicherheiten vorrätig hatten.

      Durch die im Januar gelockerten Anforderungen hätten wohl maximal 600 Mrd. Euro an Bankkrediten als Pfand bei der EZB eingereicht werden können, es wurden jedoch nur rund 50 eingereicht, wie Draghi am Donnerstag berichtete.

      Ein dunkler Punkt für die Öffentlichkeit sind dagegen die Versicherungen und die US-Banken. Dann wollen wir mal hoffen, dass alles gut geht…

  2. CDS-Klaus
    10. März 2012 um 16:11

    1,4 mrd € sind wohl verkraftbar..aber das ist nur das griechische exposure. viel wichtiger als die 1,4 mrd € ist der präzidenzfall des “credit event”, der durch die ISDA festgestellt wurde. wer hält welche anteile an CDS von spanien, italien, portugal, irland etc und in welcher hoehe? CDS sind “off balance sheet”. nicht gerade vetrauensbildend das ganze konstrukt wenn es darum geht, dass banken weiterhin untereinander sich geld leihen. ob LTRO III da überhaupt noch greifen würde- wenn es denn kommt.
    noch ist rein gar nichts überstanden…

    post scriptum: auch ist griechenland nicht vom eis. 100mrd abgeschrieben um 130 mrd ausgezahlt zu bekommen. das nächste credit event kommt..aber wir haben ja zeit..n bisschen..hoffentlich

    • André Kühnlenz
      10. März 2012 um 20:16

      Ja, die Überschrift ist wohl etwas irreführend, gemeint war nur der Fall Griechenlands. Ist das wirklich so, dass CDS “off balance sheet” sind…? Das wäre mir neu…

      Und wenn es zu weiteren Schuldenschnitten in Griechenland kommt, dann mit Sicherheit beim offiziellen Sektor. Buiter von der Citi sagt das übrigens auch für Portugal und Irland voraus…

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