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[MarktWirtschaft] Investmentfonds: Sind die Sieger von gestern die Verlierer von morgen?

19. März 2012

Yesterday’s winners are tomorrows’s loser – so lautet ein gängiges Vorurteil gegenüber Investmentfonds, die in den letzten drei, fünf oder gar zehn Jahren besonders gut abgeschnitten haben. Doch stimmt das überhaupt? Wir statten den Top-Fonds aus dem Jahr 2002 zehn Jahre später noch einmal einen unangemeldeten Besuch ab. 

Fondsranglisten und Fondsratings sind bei vielen Anlegern beliebt, geben sie doch im unübersichtlichen Reich von über 10.800 in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Investmentfonds ein bisschen Orientierung. Doch wie hilfreich sind sie wirklich? Kritiker monieren, dass gute Leistungen in der Vergangenheit dazu führen, dass die Fonds aufgrund ihres eigenen Erfolges und der daraus folgenden Mittelzuflüsse schlechter werden. Anhänger der Theorie der effizienten Märkte behaupten gar, Fondsranglisten seien ein Ergebnis des Zufalls, denn letztlich seien immer ein paar Manager besser als der Index, aber selten über einen wirklich langen Zeitraum.

Versuchen wir zumindest einmal eine kleine Näherung – und sehen uns jene Fonds an, die vor exakt zehn Jahren – also im Frühjahr 2002 – von der (inzwischen an Morningstar verkauften) Fondsratingagentur Standard & Poor’s in den sieben wichtigsten Kategorien als beste Fonds über zehn Jahre ausgezeichnet wurden.

Die Sieger von 2002 in der Königsklasse über zehn Jahre (also 1991-2001):

Aktien Deutschland: DWS Investa

Aktien Europa: Threadneedle Europan Select Growth

Aktien Nordamerika: Sun Life American Growth

Aktien International: DWS Vermögensbildungsfonds I

Renten Europa: DIT Eurozins

Renten Europa: CS Bond Fund USD

Renten International: WinGlobal International Bond

Das Ergebnis ist – in einem Wort – unspektakulär: Ein Fonds überzeugt auf der ganzen Linie mit einer stark überdurchschnittlichen Leistung auch in den letzten zehn Jahren. Zwei haben gegenüber dem Vergleichsindex eine “schwarze Null” geschafft und damit die meisten Wettbewerber und Indexfonds geschlagen, vier hingegen leicht unterdurchschnittlich abgeschnitten. Interessant ist, dass gerade einmal zwei der sieben Fonds heute noch den gleichen Namen tragen wie weiland 2002, sie wurden entweder umbenannt oder fusioniert, ein Fonds wurde 2010 gar liquidiert. Kein Totalflop dabei, ein Überflieger, in drei von sieben Fällen war der Siegerfonds für die kommenden zehn Jahre die besser Wahl als ein Indexfonds, in vier von sieben der Indexfonds – die Bewertung möge der Leser selbst treffen.

Der Blick auf die Sieger heute:

  • DWS Investa/Aktien Deutschland: Die Zehnjahresbilanz fällt durchwachsen aus. Über zehn Jahre hat der deutsche Aktienindex DAX Stand heute (16.3.) 39,9 Prozent zugelegt, der DWS Investa von Manager Henning Gebhardt allerdings “nur” 21,1 Prozent.  An die stark überdurchschnittliche Leistung der 90er Jahre konnte der Fonds somit nicht mehr anknüpfen. Zugutehalten muss man dem Fonds aber, dass er zuletzt wieder stark unterwegs war, auf Sicht von drei Jahren schnitt er mit einem Plus von 83,3 Prozent nach Gebühren vier Prozentpunkte besser ab als der DAX; auf Sicht von sechs Monaten hat der Investa die Nase sogar zwölf Prozentpunkte vor dem DAX. Gebhardt hat die laufende DAX-Erholung also sehr gut antizipiert, ist in den “richtigen” Titeln unterwegs, indem er die Finger von defensiven Werten ließ, Auch die minimale Barquote von 0,9 Prozent drückt aus, dass er die Erholung voll mitnehmen will. Dennoch: Seit 2002 lief es unter dem Strich eben doch noch leicht unterdurchschnittlich.
  • Threadneedle Europan Select Growth/Aktien Europa: An diesem Fonds ist gut zu erkennen, dass auch Fondsnamen Moden unterworfen sind: Noch vor zehn Jahren galt ein “Growth” für Wachstum im Namen als très chic, waren doch die Neunzigerjahre das Jahrzehnt der Wachstumswerte mit hoher Gewinndynamik. Die Nullerjahre waren hingegen ein Jahrzehnt des “Value”-Investierens, also der Substanzwerte. Und so verschwand bei vielen Fonds das verkaufsschädliche “Growth” aus dem Namen, so auch beim Threadneedle European Select Growth, der nun nur noch European Select Fund heißt und inzwischen mit Dave Dudding den dritten Fondsmanager binnen zehn Jahren hat. Doch genug der Krittelei, der Fonds ist nämlich auch in den vergangenen zehn Jahren erstklassig unterwegs gewesen: Mit einer Rendite von im Schnitt 4,4 Prozent pro Jahr schlug er sich außerordentlich gut, denn das sind drei Prozentpunkte pro Jahr nach Gebühren mehr als der Vergleichsindex. Die Topnote fünf Sterne gibt’s dafür von Morningstar. Der letzte Managementwechsel 2008 hat dem Fonds offenbar sehr gut getan, denn 2010 lag der Fonds 16 Prozentpunkte, 2011 10 Prozentpunkte vor dem Index und ist auch 2012 wieder zwei Prozentpunkte besser.
  • Sun Life American Growth/US-Aktien: Dieser Fonds tauchte besonders in der zweiten Hälfte der 90er Jahre in vielen fondsgebundenen Lebensversicherungen auf. Inzwischen wurde er umbenannt und heißt Axa WF II North American Equities. Die Performance ist allerdings in den letzten Jahren nur unterdurchschnittlich gewesen: Auf Achtjahressicht – die Zehnjahresperformance ist aufgrund der Umfirmierung nicht verfügbar – legte der Fonds 20,1 Prozent zu, der Vergleichsindex S&P 500 allerdings 36 Prozent. Auffällig in den Fondskennziffern ist eine gewisse Mutlosigkeit, der Fonds weist über fünf Jahre ein “Beta” von 0,96 auf und seit Auflage von 0,985 – das heißt, er klebt sehr eng am Vergleichsindex. Ein Beta von 1 hieße, der Fonds under Index liefen exakt parallel. Kein Wunder, dass die Performance unter dem Strich ungefähr auf die Entwicklung des Index abzüglich der Gebühren hinausläuft.
  • DWS Vermögensbildungsfonds I/Aktien International: Auf Zehnjahressicht ist der Fonds hat der Fonds nur knapp seine Gebühren verdient: Plus 7,5 Prozent stehen für den Fondsklassiker zu Buche, Plus 9,4 Prozent für den Vergleichsindex MSCI World. Mit einem Indexfonds wären Investoren shclechter gefahren, denn auch die Kosten schließlich Gebühren. Dabei zehrt der Fonds noch von seiner guten Leistung zwischen 2002 und 2009, denn in den letzten drei Jahren läuft es grottig: Plus 44,8 Prozent für den Fonds, Plus 82,4 Prozent für den Vergleichsindex. Einem Index auf Dreijahressicht knapp 40 Prozentpunkte hinterherzuhinken ist schon ein starkes Stück. Kaldemorgen hat die Wucht der Erholung unterschätzt und vor allem 2009/2010 rückblickend viel zu vorsichtig agiert, weil er den Märkten lange misstraut hat und lieber auf dividendenstarke, defensive Titel setzte. Immerhin ist er in den vergangenen Monaten wieder gut auf Kurs, erzielte auf Sechsmonatssicht überdurchschnittliche Ergebnisse. Langfristig (also über 15 Jahre und mehr) sieht die Entwicklung des DWS Vermögensbildungsfonds I noch immer sehr gut aus, das ist aber die Folge eines kleinen Kniffs: Bis Ende der 90er Jahre war der Fonds ein  kleiner, nur einige Millionen Euro schwerer und somit wendiger Fonds, der auch stark in Nebenwerte investierte, erst zur Jahrtausendwende erfolgte die Umstrukturierung in einen großen Flaggschiff-Standardwertefonds, der schnell Milliarden “tankte”.
  • DIT Eurozins/Renten Europa: Den Namen DIT gibt es nicht mehr, seit die ehemalige Dresdner-Bank-Tochter DIT im Allianz-Konzern aufging, daher hieß´der Fonds zeitweise Allianz-dit Eurozins und heute Allianz Pimco Europazins. Die Leistung des Fonds: Über zehn Jahre Besser als die meisten Wettbewerber und mit 4,8 Prozent pro Jahr fast exakt (-0,05 Prozentpunkte) auf Augenhöhe mit dem Vergleichsindex. Auch hier wären Investoren selbst mit einem Indexfonds aufgrund der Gebühren schlechter gefahren. Das ist eine ordentliche Leistung des Fonds, zumal gerade bei Anleihefonds angesichts der niedrigen Zinsen die Gebühren eine üble Performancefalle sind (einfacher formuliert: Wenn es mit als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit nur 1,8 Prozent Rendite gibt, ist eine Verwaltungsgebühr von einem Prozent wie bei diesem Fonds ein “Wort”, die erst mal durch Ausweichen auf rentablere Anlagen oder den Griff zu langen Laufzeiten verdient werden müssen)
  •  CS Bond Fund USD/Renten Europa: Auch diesen Fonds gibt es mit diesem Namen nicht mehr. Er firmiert nun als Aberdeen Global II USD Bond. Über zehn Jahre inkt der Fonds mit einer Rendite von im Schnitt 1,1 Prozent pro Jahr dem Vergleichsindex um 0,5 Prozentpunkte hinterher. Die Fondsfusion hat dem Produkt nicht gut getan, über drei Jahre beträgt die Underperformance sogar 2,2 Prozentpunkte pro Jahr, viel Holz für einen Anleihenfonds.
  • WinGlobal International Bond/Renten International: Dieser Fonds wurde zunächst 2006 umbenannt in Winfund International Bond Portfolio. Zwischen 2002 und 2010 wies der Fonds ausweislich der letzten Factsheets aus dem Jahr 2010 dann nur noch eine durchschnittliche Kursentwicklung auf; im Dezember 2010 wurde er schließlich – ohne, dass eine oberflächliche Recherche nähere Gründe zu Tage fördern würden, liquidiert. Das Volumen des Fonds betrug zum Schluss nur noch 9,6 Mio. Euro; 10 Mio. Euro gelten als Untergrenze, um einen Fonds wirtschaftlich zu betreiben.

(Randbemerkung: Auch die Zeitschrift “Capital”, die bei den G+J Wirtschaftsmedien erscheint, vergibt seit zehn Jahren Fonds-Awards an die besten Gesellschaften in Zusammenarbeit mit dem Analysehaus Feri, dieser Preis wird allerdings nur für Gesellschaften, nicht für Einzelfonds verliehen)

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  1. 24. März 2012 um 17:13
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